Es sind Politiker von SPD und Union, die Wolfgang Schäuble (CDU) auffordern, die Verfassungsschutz-Akten zum Mordfall Buback freizugeben. SPD-Innenexperte Sebastian Edathy sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Angehörigen haben Anspruch darauf, dass die Akten des Verfassungsschutzes vollständig auf den Tisch kommen." Er sehe keinen triftigen Grund, die Erkenntnisse des Geheimdienstes Jahrzehnte nach der Tat weiter unter Verschluss zu halten.

Ähnlich äußerte sich Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). "Ich frage mich, welches staatliche Interesse schwerer wiegen kann als die Aufklärung dieses Dreifach-Mordes", sagte er der Zeitung. Wenn die Verfassungsschutz-Akten zurückgehalten würden, bliebe immer der Verdacht, der Staat habe etwas zu verbergen.

Bosbach forderte zudem eine Aufklärung über Geldzahlungen des Verfassungsschutzes an Verena Becker. "Das ist eine Meldung, die aufhorchen lässt", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass der Staat in Kenntnis einer Tatbeteiligung die Täterin strafrechtlich nicht zur Verantwortung zieht und dann auch noch Geld zahlt."

Wie Bosbach forderte auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, Schäuble auf, die Akten schnell freizugeben, damit die Wahrheit endlich herauskomme. "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Staat etwas zu verbergen hat", sagte Wiefelspütz dem Kölner Express. Notfalls müsse man Schäuble zur Freigabe zwingen, etwa mit dem Gang vor das Verfassungsgericht oder mit einem Untersuchungsausschuss.

Die frühere RAF-Terroristin soll für ihre Kooperation mit dem Verfassungsschutz im Zusammenhang mit dem Mordfall Buback vom Staat bezahlt worden sein. Sie habe nach ihren Hinweisen auf mögliche RAF-Komplizen Geld bekommen, berichtete der ehemalige Verfassungsschutz-Beamte Winfried Ridder in einer ARD-Dokumentation über den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977.

Laut Bild-Zeitung sollen es 100.000 Mark (rund 50.000 Euro) gewesen sein. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Mittwoch erstmals auch offiziell, dass Becker nach ihrer Festnahme mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet habe.

Dass für Informationen Geld gezahlt werde, sei bei Nachrichtendiensten nichts Ungewöhnliches gewesen, sagte der als RAF-Experte bekannte Ridder. Er kritisierte zudem, dass es bei der Fahndung "massenhaft Versäumnisse" gegeben habe.