Das verheerende Erdbeben in Mittelitalien tötete nach Behördenangaben mehr als 100 Menschen. L'Aquila ist die Hauptstadt der von dem nächtlichen Beben stark betroffenen Region Abruzzen, gelegen etwa 100 Kilometer nordöstlich von Rom. Die Rettungsmannschaften hätten nicht schneller zur Stelle sein können, sagte Innenminister Roberto Maroni. "Schon eine Viertelstunden nach dem Beben waren sie auf dem Weg." Das Beben der Stärke zwischen 5,8 und 6,3 auf der Richter-Skala hatte die Menschen am frühen Morgen im Schlaf überrascht. Es war das schwerste Beben in Italien seit November 1980. Damals waren im Süden des Landes 2570 Menschen umgekommen.

Parlamentspräsident Gianfranco Fini sagte, ganze Ortschaften der Unglücksregion seien praktisch zerstört und 15.000 Gebäude stark beschädigt. Die Obdachlosen-Zahl wird mit 50.000 bis 100.000 Menschen angegeben. 1500 Menschen sind verletzt, viele werden noch vermisst. Die ersten Krankenhäuser beklagen Blutmangel und fordern die Bevölkerung zu Blutspenden auf.

Augenzeugen berichteten von Überlebenden, die in Decken gehüllt wie in Trance durch die Straßen liefen oder auf den Plätzen und vor Supermärkten campierten. Aber auch erste Plünderer wurden festgenommen.

Durch das Beben beschädigt sind auch mehrere Kirchen in der an Gotteshäusern aus der Romanik und der Renaissance reichen Gegend. Die Kuppel einer Kirche im Zentrum von L'Aquila stürzte ein. Ganze Wohnblocks klappten zusammen wie Kartenhäuser. Auch Neubauten am Stadtrand von L'Aquila stürzten ein. L'Aquila war bereits vor mehr als 300 Jahren von einem Beben weitgehend zerstört worden.

Besonders stark von dem nächtlichen Beben betroffen sind unter anderen die Abruzzen-Orte Paganica und Poggio Picenze, berichteten italienische Medien. Es müsse mit weiteren Todesopfern gerechnet werden, da es in den historischen Zentren einiger Städte schwere Zerstörungen gebe, hieß es.