Ilse Aigner (CSU) will trotz heftiger öffentlicher Diskussionen den Anbau der Genkartoffel Amflora genehmigen. Die von ihr angekündigte Prüfung sei abgeschlossen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Die Prüfungen seien zum Schluss gekommen, dass sich "keine negativen Einflüsse auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt" ergeben hätten. Vorausgegangen seien Gespräche der Politikerin mit dem Unternehmen BASF, das die gentechnisch veränderte Stärkekartoffel entwickelt hat. Die Firma habe zugesagt, sich bei der Freisetzung an bestimmte Auflagen zu halten.

So solle die Kartoffel nicht wie ursprünglich geplant auf 40 Hektar, sondern lediglich auf 20 Hektar ausgesät werden. Auch solle es bei einem Versuchsanbau in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Dabei muss gewährleistet sein, dass die Kartoffel nur für Forschungszwecke verwendet wird. Schutzzäune sollen dafür sorgen, dass die Kartoffel nicht in die Lebensmittel- und Futterkette gelangt.

Aigner hatte in den vergangenen Tagen gesagt, sie sehe vor einer Entscheidung zu Amflora noch Beratungsbedarf. Der Schutz von Mensch und Umwelt müsse an vorderster Stelle stehen. Ihr Parteifreund, der bayerische Umweltminister Markus Söder, hatte hingegen einen grundsätzlichen Stopp für genveränderte Pflanzen gefordert. Auch CSU-Chef Horst Seehofer ist im Ringen um Stimmen der bayerischen Wähler kritisch zur grünen Gentechnik eingestellt.

Nach Angaben des Agrarministeriums in Berlin wurde Amflora in Deutschland im vergangenen Jahr auf mehr als 100 Hektar zu Forschungszwecken angebaut. Die Genkartoffel hat einen höheren Stärkegehalt als andere Kartoffeln und kann etwa in der Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie eingesetzt werden.

Vor zwei Wochen hatte Aigner die Aussaat des Genmais MON 810 des amerikanischen Konzerns Monsanto verboten. Sie hatte dies mit neueren Studien begründet, die auf Gefahren für Pflanzen und Tiere hinwiesen. Damit hatte die Ministerin in der Union eine heftige Debatte über die Zukunft der grünen Gentechnik ausgelöst.

Vor allem Bundesforschungsministerin Annette Schavan macht Front gegen das Verbot. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor wenigen Tagen vor zu starken Vorbehalten gegen die grüne Gentechnik gewarnt. Zudem hatte die CDU-Vorsitzende auf die finanziellen Folgen für das Unternehmen verwiesen, wenn die beantragten Freilandversuche abgelehnt würden.