Vatikan wittert Verschwörung gegen Benedikt – Seite 1

Der Vatikan hält nach Zeitungsangaben das Interview mit der Holocaust-Leugnung von Bischof Richard Williamson für ein "gezieltes Komplott" des schwedischen TV-Senders SVT. Die Stockholmer Zeitung Svenska Dagbladet berichtete unter Berufung auf religiöse Kreise in Rom, dass das Interview in einem internen Vatikan-Report als "bewusst gestellte Falle für Seine Heiligkeit Benedictus XVI." eingestuft werde. Demnach habe der Sender das Interview bewusst am 21. Januar - drei Tage vor der Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons und drei weiterer Bischöfe - ausgestrahlt, um dem Papst zu schaden. Der für das Williamson-Interview verantwortliche schwedische Journalist Ali Fegan nannte die Komplott-Theorie falsch.

Papst Benedikt XVI. hatte am 24. Januar die Rücknahme der Exkommunizierung von vier Bischöfen der erzkonservativen Priesterbruderschaft Pius X. bekannt gegeben. Dazu gehört auch Williamson, der die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazis bestritten hatte. Die Entscheidung hatte weltweit Proteststürme ausgelöst.

Nun hat der Vatikan aber reagiert:  Per Pressemitteilung hat der Vatikan Williamson jetzt zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufgerufen . Dieser müsse "in unmissverständlicher Weise öffentlich Abstand nehmen von seinen Erklärungen zur Shoah", hieß es. Zu der weltweiten Protestwelle gab Benedikt XVI. auf seiner wöchentlichen Generalaudienz keinen neuen Kommentar ab und ging auch nicht auf die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einer Klarstellung zur Holocaust-Leugnung ein.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke griff Merkel dagegen scharf an. Es sei "unbegreiflich und empörend, wenn selbst die deutsche Bundeskanzlerin vom Papst klare Worte fordert in einem Zusammenhang, in dem gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit hat fehlen lassen", erklärte Hanke. Der Münchner CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warnte die Kanzlerin davor, "sich weiterhin als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren".

Bereits am Dienstagabend hatte Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt, die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch den Papst hätte "klarer nicht sein können". Lombardi hatte darauf verwiesen, dass Benedikt unter anderem auch am Mittwoch der Vorwoche seine "volle Solidarität" mit den Juden bekräftigt und sich von einer Leugnung der Judenvernichtung distanziert habe. Im Übrigen habe der deutsche Pontifex klar erklärt, dass die Zurücknahme der Exkommunikation Williamsons nicht bedeute, dass damit die Holocaust-Leugnung legitimiert werde. Merkel hatte zuvor gefordert: "Es geht darum, dass vonseiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann."

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Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erwartet, "dass der Vatikan konkrete Konsequenzen aus den ungeheuerlichen Vorfällen um die Pius-Bruderschaft zieht über eine reine Distanzierung oder Entschuldigungen hinaus". "Es geht nicht darum, dass Fehler gemacht worden sind, sondern darum, dass diese wieder ausgeräumt werden", sagte Knobloch in München. Es gehe nicht um eine Entschuldigung des Vatikans für eine Äußerung, die ein überzeugter Antisemit von sich gegeben habe. Nötig sei eine klare Abgrenzung der Kirche von dieser antisemitisch geprägten Gruppierung, "die grundsätzlich den Dialog mit den Juden ablehnt, sie als Gottesmörder bezeichnet und Holocaust-Leugner in den eigenen Reihen duldet", erklärte sie. Die Angelegenheit sei keinesfalls beigelegt.

"Der Papst hat bislang nicht deutlich gemacht, was ihm wichtiger ist, ein Dialog mit dem Judentum oder eine Annäherung an die Pius-Bruderschaft, die die Aussöhnung mit dem Judentum und den Dialog mit anderen Religionen ablehnt", kritisierte Knobloch.

Der SPD-Vorsitzende und Katholik Müntefering sagte der Berliner Zeitung : "Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss."

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nahm Benedikt gegen Kritik in Schutz. Dem deutschen Papst sei die Position des britischen Bischofs Williamson zum Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden persönlich nicht bekannt gewesen, sagte Müller in der ARD. "Er selbst hat keinen Fehler gemacht und braucht sich nicht zu entschuldigen", sagte Müller über den Papst.

Der Regensburger Bischof bezeichnete Williamsons Leugnung des Holocausts als idiotisch. "Er hat in furchtbarer Weise der Kirche geschadet und den Papst reingelegt", sagte Müller über den von Benedikt rehabilitierten Geistlichen. Williamson habe im Bistum Regensburg Hausverbot.