Seit dem frühen Morgen liefen Haussuchungen und Beschlagnahmen bei Führungspersonen der Organisation in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Sicherheitskreisen. Am Vormittag bestätigte das Bundesinnenministerium die Meldung. 

"Als bundesweit organisierter Jugendverband verbreitet die HDJ rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut", hieß es zur Begründung. Im Rahmen scheinbar unpolitischer Freizeitveranstaltungen vermittele die Organisation Kindern und Jugendlichen ein am Nationalsozialismus orientiertes Weltbild. "Wir werden alles tun, um unsere Kinder und Jugendlichen vor diesen Rattenfängern zu schützen", sagte Schäuble.

Ähnlich wie die schon seit 1994 verbotene "Wiking Jugend" gewinnt die HDJ nach Erkenntnis der Sicherheitsbehörden unter dem Deckmantel unpolitischer Zeltlager und Fahrten Kinder und Jugendliche für die nationalsozialistische Ideologie.

Zuletzt war die HDJ aufgefallen, als die Polizei im Sommer 2008 eines ihrer Jugendlager in Mecklenburg-Vorpommern räumte. Im Oktober ließ das Bundesinnenministerium dann im Zuge eines Ermittlungsverfahrens bundesweit Wohnungen durchsuchen und Beweismittel beschlagnahmen.

Mit dem Verbot durch Schäuble ist die HDJ aufgelöst, ihr Vermögen wird eingezogen. Die Organisation darf auch nicht unter anderem Namen weitergeführt werden. Verstöße gegen das Vereinsverbot werden mit einer Geldstrafe oder einer bis zu einjährigen Haftstrafe geahndet.

Die HDJ hatte sich 1990 als Abspaltung vom "Bund Heimattreuer Jugend" gegründet. Mit mehreren Hundert Mitgliedern ist die Organisation nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes ein fester Bestandteil der rechtsextremen Szene.

Sie unterhalte Kontakte sowohl zur NPD als auch zu neonazistischen Kameradschaften, an ihren Zeltlagern nähmen teils ganze Familien teil. In den Schriften der HDJ werde der Nationalsozialismus verherrlicht, auch zeigten sich antisemitische Einstellungen.