Bei einem Empfang für die gut 500 Delegierten erinnerte Steinmeier am Samstag abend daran, dass es der SPD auch bei den vergangenen Bundestagswahlen gelungen war, trotz anfangs mieser Umfragewerte und Wahlergebnisse am Endennoch zur Union aufzuschließen. "Lasst Schwarz-Gelb ruhig schon über Ministerposten streiten. Ich sage Euch: So wenig wie 2002 und 2005 wird es 2009 für Schwarz-Gelb reichen."

Trotz des Rückschlags bei der Europawahl habe die SPD keinen Grund, "in Sack und Asche zu gehen", sagte Steinmeier. Die Partei werde rechtzeitig zur Bundestagswahl wieder aus ihrem Tief herausfinden.

Das wird aber nicht leicht. Denn laut ZDF-Politbarometer käme die SPD derzeit nur noch auf 25 Prozent, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre – drei Prozentpunkte weniger als in der Umfrage Ende Mai. Die Union käme dagegen auf auf 37 Prozent (plus 1) und hätte zusammen mit der FDP eine klare Mehrheit. Auch im direkten Vergleich mit Kanzlerin Angela Merkel ist ihr Konkurrent Steinmeier weiter zurückgefallen.Bei der Europawahl vor einer Woche hatte die SPD zudem nur 20,8 Prozent erreicht und damit ihr schlechtestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl seit 1949.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil räumte daher mit Blick auf den Bundestagswahlkampf ein: "Das wird kein leichter Ritt. Aber das Rennen ist offen", sagte er der Welt am Sonntag. Die SPD habe Kampfgeist, klare Überzeugungen und sei entschlossen. "Wir wissen, dass Frank-Walter Steinmeier der bessere Kanzler ist."

Kurz vor dem Parteitag, auf dem heute das Bundestagswahlprogramm verabschiedet werden soll, war indes ein Streit in der Partei über die richtige Strategie entbrannt. Vertreter der SPD-Linken forderten ein schärferes linkes Profil verlangt, um SPD-Wähler zurück zu gewinnen.

Dagegen rief unter anderem Bundesfinanzminister und Parteivize Peer Steinbrück die SPD dazu auf, im Wahlkampf wieder stärker Wähler der Mitte anzusprechen. Denn dort würden Wahlen entschieden, nicht an den Rändern. Es wird erwartet, dass sich auch Steinmeier in seiner Rede auf dem Parteitag dieser Position anschließen wird. Er wird die schwierige Aufgabe haben, die Partei nach dem Europwahldebakel wieder aufzurichten und Zweifel an der bisherigen Strategie und seiner Eignung als Kanzlerkandidat auszuräumen.

Im  Mittelpunkt des Wahlprogramms, das die Delegierten anschließend verabschieden sollen, stehen  Vorschläge zur
Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise. Beschlossen werden sollen Steuererleichterungen für Geringverdiener sowie sowie höhere Belastungen für Spitzenverdiener. Größere inhatliche Kontroversen werden  nicht erwartet. Um neue Konflikte zu vermeiden, wurde ein Antrag des linken Flügels, die Vermögensteuer wieder einfzuführen, von der Tagesordnung abgesetzt.