Frage: Wird die heutige Bundestagswahl als ein historisches Datum in die Geschichtsbücher eingehen?

Paul Nolte: Mit dem Prädikat "historisch" bin ich sehr vorsichtig. Sie ist wohl eher eine Zwischenetappe in einem längerfristigen Wandlungsprozess des deutschen Parteiensystems. Die Volksparteien verlieren zunehmend an Bindungskraft.

Frage: Gilt das unabhängig vom Wahlausgang?

Nolte:  Selbst wenn mit Schwarz-Gelb noch einmal die klassische Kombination aus Volkspartei und kleinem Koalitionspartner siegen würde, ändert das nichts daran, dass dieses Modell der Regierungsbildung auf dem Rückzug ist. Künftig werden in Deutschland oft drei Partner gebraucht werden, um eine Regierung zu bilden. Zudem ist es Union und FDP im Wahlkampf nicht gelungen, eine gesellschaftliche Vision für ihr Bündnis zu formulieren. Das war bei früheren Regierungswechseln anders.

Frage: Wurde im Wahlkampf überhaupt um die Probleme unserer Gesellschaft gestritten?

Nolte: Es war eher ein diffuses Werben um Vertrauen. Die Probleme unserer Gesellschaft wurden in diesem Wahlkampf weitgehend verdrängt.

Frage: An welche denken Sie?

Nolte: Ein zentrales Thema ist die Frage nach Klimawandel und ökologischer Transformation unserer Gesellschaft. Daran haben auch die Bundesregierungen der vergangenen Jahre gearbeitet. Die Herausforderung besteht darin, dass wir unsere Gesellschaft technisch und wirtschaftlich innovativ halten, ohne die Herausforderung des Klimawandels und der knapper werdenden Ressourcen zu leugnen.

Frage: Was ist mit den Problemen des Sozialstaats?