Die Revolution brach um vier Uhr früh am Samstag los, als das Plenum wieder zusammenkam und Lars Loekke Rasmussen, dänischer Regierungschef und Präsident des Weltklimagipfels, versuchte, das Arbeitsergebnis der Regierungschefs zum Beschluss zu machen. Da reichte es vielen.

Als Erster meldete sich Ian Fry, Chefverhandler des kleinen Pazifikstaates Tuvalu, zu Wort. "Bei den UN", belehrte er Rasmussen, "werden alle Staaten respektiert, ob klein oder groß." Doch genau dieses Prinzip sei mit der gesonderten Verhandlungsgruppe aus 25 Regierungschefs missachtet worden. Eine Kritik, der sich leidenschaftlich weitere Staaten anschlossen. Das Zwölf-Punkte-Papier, das die 25 formuliert hatten, sei inhaltlich schwach, und im Übrigen, fuhr Ian Frey mit Blick auf die darin angebotene Soforthilfe für Entwicklungsländer in einer Höhe von jährlich zehn Milliarden Dollar zwischen 2010 und 2012 fort: "Unsere Zukunft steht nicht zum Verkauf."

Selten ist ein Rettungseinsatz so danebengegangen.

Eigentlich sollten die 119 Staats- und Regierungschefs am Freitagabend als strahlende Helden vom Platz gehen. Sie sollten den Weltklimagipfel in Kopenhagen vorm Scheitern bewahrt und die Welt mit einem verbindlichen Umweltschutzabkommen gerettet haben.

So weit die Erwartungen, die sich im Laufe der zwölftägigen, als "historisch" angekündigten Klimakonferenz angehäuft hatten, die aber über die Tage immer kleiner, umstrittener und unbedeutender zu werden drohte.

Seit dem 7. Dezember hatten die Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention und die Mitglieder des Kyoto-Protokolls über Emissionsminderungen für Industrie- und Entwicklungsländer, über die Finanzierung zur Bewältigung von Klimafolgen und den Aufbau einer kohlenstoffarmen Energieversorgung, über internationale Kontrollsysteme für die Emissionsminderungen und die Verwendung des Geldes sowie über den Schutz der Regenwälder diskutiert.