Es gab in den Vereinigten Staaten mal eine Plakatkampagne von Volkswagen, die das irritierend deutsche Wort "Fahrvergnügen" fest im amerikanischen Wortschatz verankerte. Jetzt allerdings zeigt ein amerikanischer Autohersteller den Deutschen, was echtes "Fahrvergnügen" ist.

Los Angeles, ein sonniger Vormittag. Die Beschleunigung ist eine einzige Versuchung, das Pedal durchzudrücken. Rote Ampeln lösen plötzlich Freude aus – in Erwartung des Moments, wenn sie auf Grün springen. Der Körper wird in den Sitz gepresst, still und leise schnellt der Wagen los, lässt die Palmen am Straßenrand rasch im Rückspiegel verschwinden und selbst Porsches, Ferraris und Lamborghinis mühelos hinter sich: 3,9 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer, so steht es in den Papieren. Das Einfädeln in den dichten Verkehr auf der Stadtautobahn verliert seine Schrecken. Der Wagen sprintet in jede Lücke und beschleunigt ohne die für Verbrennungsmotoren und Turbolader berüchtigten Leistungslöcher.

Der "Tesla Roadster" fährt mit Strom. Er ist das erste serienmäßig gebaute Elektroauto der Welt.

Vieles ist anders hinter dem Steuer eines solchen Wagens. Der ausbleibende Sound beim Gasgeben mag Sportwagen-Afficionados fehlen. Für lärmgeplagte Stadtbewohner hingegen ist es eher eine Erholung, dass dieses Auto nur ein leises Sirren von sich gibt. Gewöhnungsbedürftig ist der Effekt, wenn der Fuß vom Gas geht. Der Wagen rollt nicht einfach weiter, sondern vermindert unmittelbar die Geschwindigkeit, als habe der Fahrer auf die Bremse getreten. Elektroautos haben nicht mehrere Gänge für verschiedene Geschwindigkeiten. Und Bremsenergie wird sofort wieder in Strom verwandelt, wie bei einem Dynamo.

Neben dem "Fahrvergnügen" verspricht das Fahren mit dem Roadster auch noch ein gutes Gewissen – als sei es eben doch möglich, zu schlemmen, ohne zuzunehmen. Keine Abgase, keine Mitschuld am Import von Ölfässern aus Diktaturen, auch keine Ölwechsel und nur noch seltene Inspektionen, wirbt Jeremy Snyder, der 33-jährige Leiter der Tesla-Vertretung in Los Angeles. Über Nacht hängt man das Auto an die Steckdose, "genau wie ein Handy", eine Ladung reicht für 350 bis 400 Kilometer. Der Bordcomputer rechnet auf Wunsch aus, wie viel Benzin der Fahrer aktuell spart und wie viele Ölfässer seit Kauf des Autos ungenutzt blieben.

Rund um die Erde gilt das E-Auto plötzlich als Lösung für Energie- und Umweltprobleme: Die US-Regierung subventioniert den Kauf mit 7500 Dollar direktem Steuerabzug, die Bundesregierung hat im August ihren "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" vorgestellt. Am 10. September hat Tesla seinen ersten "Showroom" in Deutschland eröffnet, in München, und in dieser Woche wird das Auto auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt präsentiert. Tesla, sagt Firmensprecherin Rachel Konrad, betrachte Deutschland als zweitwichtigsten Markt nach den USA.

Mit dem E-Trend werben neuerdings viele Autobauer. In den USA versucht GM sein ramponiertes Image mit dem Chevrolet Volt aufzupolieren: ein kompakter Hybrid-Fünfsitzer, mit dem Durchschnittsfahrer nur noch im Ausnahmefall an die Tankstelle müssen – die ersten 60 Kilometer bewältigt der Volt mit Strom. Der typische Amerikaner fahre 40 Kilometer am Tag, heißt es bei GM. Die Batterie wird wie beim Tesla nachts aufgeladen. Doch der Volt ist ein Hybrid – er hat einen Elektro- und einen Benzinmotor, der sich einschaltet, sobald die Batterie leer ist, und dieser doppelte Antrieb erhöht das Gewicht und nimmt Platz weg. Zudem ist der Volt ein Zukunftsversprechen – er soll erst Ende 2010 oder 2011 auf den Markt kommen. Bei der Hybrid-Technik sind die Japaner schon heute besser. Die deutschen Autobauer haben über Jahre vor allem auf saubere Diesel gesetzt, um den Energieverbrauch ohne Einbußen an Leistung und Luxus zu senken.