Das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, ist von zentraler Bedeutung für das deutsche Gesundheitswesen. Es fungiert als eine Art "Tüv" für neue Medikamente und Therapien – und bewertet, ob die angeblichen Innovationen der Pharmaindustrie und Medizintechnik das Geld wert sind, das sie kosten.

Von den IQWiG-Urteilen hängt ganz maßgeblich ab, ob die Arzneimittel und Behandlungweisen als Kassenleistung erstattet werden oder nicht. Für die Konzerne geht es also um Milliarden – und für den Beitragszahler um die Bezahlbarkeit eines Systems, das schon jetzt mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschlingt.

Installiert wurde das Prüfinstitut noch unter Rot-Grün, sein Leiter, Peter Sawicki, hat sich als Schrecken der Pharmaindustrie einen Namen gemacht. Die neue Regierung hätte das Ganze nun gerne ein wenig wirtschaftsfreundlicher. Und da kommt es ihr sehr zupass, dass sich Sawicki in seiner fünfjährigen Amtszeit wohl auch einige Verfehlungen zuschulden kommen ließ.

Wofür steht Sawicki?

Für eine in der Arzneibranche seltene Kombination aus fachlicher Kompetenz und Unabhängigkeit. Vor seiner Berufung war Sawicki nicht nur Chefarzt , sondern auch Mitherausgeber des pharmakritischen "arznei-telegramms". Und als IQWiG-Chef hat er den deutschen Pharmariesen manches Geschäft vermasselt. Ob Blutdrucksenker oder Antidepressivum – sobald Sawicki den Daumen senkte, ging nichts mehr.

Seit Jahren versuchen die Lobbyisten deshalb, den unbequemen Mann wegzubekommen. Für andere dagegen personifiziert der 52-Jährige das Gute. So haben sich mehr als 600 Gesundheitsexperten per Unterschriftenliste für Sawicki stark gemacht. Begründung: Seine Ablösung würde "der internationalen Vernetzung des Institutes wie auch der deutschen medizinischen Wissenschaft insgesamt schweren Schaden zufügen."

So geht es bei der Personalie nicht nur darum, ob man einem anerkannten Institutschef wegen ein paar falsch abgerechneter Quittungen die Vertragsverlängerung verweigert. Enthalten ist darin auch die gewichtigere Frage, wie rigoros man mit der Pharmaindustrie umspringen darf und ob man aus Rücksicht auf deren Arbeitsplätze nicht auch mal ein Auge zudrücken sollte.