Nach Frankreich hofft auch Deutschland, überschüssigen Schweinegrippe-Impfstoff an andere Länder verkaufen zu können. Die relativ geringe Impfbereitschaft in der Bevölkerung, aber auch die neueren Impfempfehlungen führen dazu, dass mehrere europäische Länder auf ihren bestellten Vorräten sitzen zu bleiben drohen: So ist statt der ursprünglich geplanten zwei Impfungen nur noch eine notwendig, um einen ausreichenden Schutz vor der Grippe zu gewährleisten.

Die Bestellungen bei den Pharmakonzernen waren jedoch schon frühzeitig aufgegeben worden, als dies noch nicht klar war. In Deutschland führt dies dazu, dass rechnerisch etwa zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden könnten – und nicht nur ein Drittel, wie ursprünglich geplant.

Bei einem Treffen mit dem Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline an diesem Donnerstag wollen die Gesundheitsminister der 16 Bundesländer daher über eine Verringerung der Liefermengen verhandeln. Sie dringen darauf, nur noch die Hälfte der 50 Millionen bestellten Impfdosen abnehmen zu müssen. Auch bei einer reduzierten Menge sei für die nächste zu erwartende Grippewelle immer noch genügend Impfstoff für die Bevölkerung vorhanden, versichert der Sprecher der niedersächsischen Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU), die seit Anfang des Jahres die Arbeit der Länder koordiniert.

Auch der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums sagte, die Länder würden weiter ein ausreichendes Impfangebot gewährleisten. Bisher haben sich nach Schätzungen erst rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung gegen die Schweinegrippe impfen lassen.

Wenn größere Mengen des bestellten Impfstoffs übrig bleiben, drohen den Ländern Kosten in Millionenhöhe. Der Bund hatte zwar mit den Krankenkassen vereinbart, dass sie bis zu einer Summe von einer Milliarde Euro die Kosten übernehmen – allerdings nur für die tatsächlichen Impfungen. Daher hoffen mehrere Bundesländer nun auch auf Abnehmer für überschüssige Impfdosen im Ausland. Erste Anfragen gab es bereits – etwa aus Iran, dem Kosovo, der Ukraine und der Türkei.