Wie funktionieren Leerverkäufe überhaupt?

Bei Leerverkäufen, auch short sells genannt, wetten Investoren auf fallende Kurse. Die Leerverkäufer leihen sich Aktien von anderen Anlegern und bezahlen dafür eine Gebühr. Dann verkaufen sie die geliehenen Aktien in der Hoffnung, dass der Kurs bald fällt. So können sie die Papiere günstiger wieder einkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein. Unterschieden werden muss zwischen gedeckten und ungedeckten Leerverkäufen. Im ersten Fall besitzt der Investor eine Option darauf, die Aktie auszuleihen. Bei ungedeckten Leerverkäufen, den naked short sells, verkauft der Investor die Aktien, ohne sie je besessen zu haben. Von dem Erlös kauft er Papiere und gibt sie an seinen Handelspartner zurück. "Das ist, als würde man mit geliehenem Geld spekulieren", sagt Lutz Kruschwitz, Finanzexperte an der Freien Universität Berlin.

Sind die Geschäfte reine Spekulation?

Leerverkäufe werden nicht nur von Spekulanten genutzt. Sie dienen auch zur Absicherung von Optionsgeschäften. Solche Geschäfte werden zum Beispiel von Unternehmen gemacht, die sich damit gegen Währungsrisiken oder Schwankungen bei den Rohstoffpreisen absichern. Auch Leerverkäufe mit puren Gewinnabsichten können nach Meinung von Experten volkswirtschaftlich sinnvoll sein, weil sie die Anzahl der Akteure auf dem Markt erhöhen. "Je mehr Händler eine Aktie kaufen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich vernünftige Preise durchsetzen", sagt Kruschwitz.

In Krisenzeiten kann das Instrument schnell zum Problem werden. Leerverkäufer können Aktienkurse künstlich nach unten treiben. Sind Investoren gezwungen, Papiere zurückzukaufen, versuchen sie außerdem, Informationen zu streuen, die der Aktie schaden. Das war der Grund, weswegen die USA und viele europäische Staaten nach der Pleite der Lehman-Bank ungedeckte Leerverkäufe mit den Aktien von Finanzinstituten verboten haben. Sie wollten verhindern, dass ihre Banken kaputtspekuliert werden.