Bei dem TV-Duell geht es um das Schicksal der Obama-Präsidentschaft. Die Gesundheitsreform, Barack Obamas zentrales innenpolitisches Anliegen, schien bereits gescheitert. Wenn er sie wiederbeleben kann und sie doch noch gelingt, wäre das ein großer Erfolg. Wenn nicht, gilt er als Präsident, der seinen Willen trotz Parlamentsmehrheit nicht durchsetzen kann.

Wie ist der Ablauf?

Das Treffen beginnt um 16 Uhr europäischer Zeit im Blair House, dem Gästehaus des Präsidenten, schräg gegenüber der Nordfassade des Weißen Hauses. Die Debatte ist auf sechs Stunden angesetzt und wird im Fernsehen übertragen. Die genaue Zahl der Teilnehmer ist noch unklar. Manche Gäste behaupten, sie könnten nicht zusagen, solange sie befürchten müssen, dass der Gipfel eine Showveranstaltung sei. Auch das gehört zur politischen Taktik. Obama hat von beiden Parteien die Vorsitzenden der Ausschüsse im Abgeordnetenhaus und im Senat eingeladen, die mit der Gesundheitsreform befasst sind. Sie dürfen weitere Spitzenpolitiker mitbringen. Die Gesamtzahl wird am Ende vermutlich bei etwa 50 Gästen liegen.

Hauptziel aller Beteiligten ist es, die öffentliche Meinung für ihre jeweilige Position zu gewinnen. Tagelang wurde über die Inszenierung, die Zahl der Tische und ihre Anordnung, die Positionen der Kameras, die Reihenfolge der Redner und die Themenliste verhandelt. Selbst das Mittagessen wurde besprochen. Man wird in einem großen Rechteck sitzen. Dabei gibt es kein „box lunch“, das in den USA verbreitete Set aus Sandwich, Obst und Süßriegel in einem Pappbehälter, sondern ein Buffet.

Obama wird zur Eröffnung die Kernpunkte seines Kompromissvorschlags vortragen, der seit Montag auf der Internetseite des Weißen Hauses steht. Er basiert auf den voneinander abweichenden Entwürfen, die das Abgeordnetenhaus und der Senat 2009 beschlossen haben und die noch zu einer gemeinsamen Fassung verschmolzen werden müssen. Ihm antworten Vertreter der Republikaner und Demokraten, die die Parteien benennen, aufgeteilt auf vier Themen: Kostenkontrolle, Änderung umstrittener Versicherungspraktiken, Auswirkungen auf Staatsbudget und Defizit sowie Einbeziehung Nichtversicherter in das System.

Wie gespannt ist die Öffentlichkeit darauf?

„Joe Avarage“, der Durchschnittsamerikaner, wird die Diskussion wohl kaum live verfolgen. Erstens fallen die sechs Stunden in die Arbeitszeit. Zweitens sind die Bürger den Streit nach mehr als einem Jahr öffentlicher Debatte leid. Sie werden sich aber für die Zusammenfassung in den Abendnachrichten interessieren. Änderungen im Versicherungssystem haben in den USA viel radikalere Folgen für die Bürger als in Europa, weil es keine gesetzliche Grundabsicherung für alle gibt. Jedes Jahr gehen rund 800 000 Familien bankrott und verlieren ihre Häuser wegen Krankheitskosten, die sie privat tragen müssen. Alle, die sich professionell mit Politik befassen, schauen schon tagsüber genau hin, weil so viel vom Ausgang des Treffens abhängt.