Während die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise die USA und andere westliche Länder zu Einsparungen im Rüstungsetat gezwungen hat, investieren asiatische Länder wie China und Indien weiter stark in ihre Streitkräfte. Das geht hervor aus dem Jahresbericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London.

Nachdem sich der US-Verteidigungshaushalt unter dem früheren Präsidenten George W. Bush fast verdoppelt habe, sei diese Entwicklung in den USA durch die Finanzkrise aufgehalten worden. Sowohl US-Präsident Barack Obama als auch US-Verteidigungsminister Robert Gates hätten signalisiert, dass aufgrund der Haushaltslage eine "dramatische Neuordnung der Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben" nötig sei. Wegen ihres fortdauernden Engagements im Irak und in Afghanistan unterliege die US-Armee weiterhin einer "starken Belastung".

Auch Großbritannien, Washingtons engster Verbündeter sowohl im Irak als auch in Afghanistan, müsse Verteidigungsausgaben einsparen. Im Zuge der Finanzkrise hätten die Briten enorme Schulden angehäuft, hieß es in dem 490 Seiten starken IISS-Bericht. Von den europäischen Nato-Mitgliedern würden voraussichtlich allein Dänemark und Norwegen 2010 ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.

Russland, dessen Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent zurückgegangen sei, habe sein Programm zur Modernisierung der Armee zurückgestellt. Stattdessen sei ein neuer Zehn-Jahres-Plan vorgesehen, mit dessen Umsetzung jedoch erst 2011 begonnen werden solle.

Im Gegensatz zu den weit entwickelten Volkswirtschaften hätten allerdings Indien und China ihre zweistelligen Wachstumsraten in den Verteidigungsausgaben beibehalten. Auch als Folge der Terroranschläge von Mumbai im November 2008 habe die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien den Rüstungsetat im vergangenen Jahr um 21 Prozent erhöht. In anderen asiatischen Staaten wie Indonesien und Singapur sei der Verteidigungsetat ebenfalls gewachsen.

Das renommierte Institut warnte vor einer neuen Art von Kriegen mithilfe des Internets. Künftige Konflikte zwischen zwei Staaten könnten zunehmend durch sogenannte asymmetrische Techniken bestimmt werden, sagte IISS-Chef John Chipman. Dabei könnten die Infrastruktur eines Landes gelähmt, Militärdaten anderer Länder manipuliert oder finanzielle Transaktionen gestört werden.