Am Himmel standen Schäfchenwolken, als Herr Peng die Tränen des kleinen Mond sah. Der war gefesselt, die Beine mit Rattanschlingen verknotet. Man hatte ihn in einen Käfig aus Bambus gesperrt und von seiner Mutter getrennt. Die brüllte und verfiel in Panik. Sie schlug aus nach den Männern, die ihr das Kind weggenommen hatten. Das ganze Dorf war gekommen, alle klatschten begeistert, jubelten und lachten, als der Mond sich wehrte.

Nur Herr Peng, damals ein Kind von zwölf Jahren, sah, wie der Elefant weinte. Das Junge, das in dem Käfig strampelte, erhielt den Namen Chang, was auf laotisch Mond bedeutet. Es war Herrn Pengs erstes Arbeitstier, Herr Peng ist Mahout, ein Elefantenmann.

Sein ganzes Leben hat er mit den Tieren verbracht. Und wenn er die Geschichte von Mond erzählt, gibt sich seine Stimme Mühe, nicht auszurutschen – 43 Jahre später. Seine Traurigkeit kommt nicht von ungefähr.

Lane Xang hieß Laos einst – das Land der Million Elefanten. Elephas maximus, der asiatische Elefant, der kleiner ist als sein afrikanischer Verwandter. Ein Vielfraß, der am Tag 250 Kilo Pflanzen verdrückt und bis zu fünf Tonnen schwer wird. Ein kräftiges Tier kostet bis zu 12.000 Euro und bringt dem Besitzer bis zu drei Millionen Baht jährlich ein, etwa 60.000 Euro.

Doch die Menschen verdrängen mit ihren Häusern den Urwald, die Heimat der Tiere. Heute leben nicht mehr eine Million, sondern kaum noch 1500 Elefanten in Laos, davon weniger als 1000 in freier Wildbahn. Der Rest ist in Gefangenschaft, arbeitet in den Wäldern, wo Rosenholz und Teak wachsen. Holzabbau bringt Geld in einem Land, in dem die Menschen bettelarm sind.

Und so zerstören die mächtigen Arbeitstiere den Lebensraum, den ihre wilden Artgenossen zum Überleben brauchen. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. "Wir haben den Respekt vor den Tieren verloren", sagt Herr Peng. Man betrachte sie nur noch als riesige Geldautomaten, die arbeiten sollen. Wenn das so weitergeht, ist das größte auf Erden wandelnde Säugetier in diesem Land in wenigen Jahrzehnten ausgestorben. Weshalb sich nun auch die am 25. März zu Ende gehende Artenschutzkonferenz in Qatar mit den Elefanten beschäftigte. Immerhin gelang es dort, das seit 1989 bestehende Verbot des Elfenbeinhandels zu verlängern.