Herr Peng lebt in dem Dorf Hongsa, zwei Tagesreisen und unzählige Schlaglöcher von der Hauptstadt Vientiane entfernt, in der Provinz Sayabouri, im Nordosten des Landes. Hier sollen die meisten Arbeitselefanten leben – die wenigen Herden frei lebender Tiere verteilen sich auf ein paar Refugien in ganz Laos, dort, wo sich der Mensch noch nicht ausgebreitet hat. Und wenn mal eine wilde Herde durch die Felder armer Reisbauern trampelt, dann nur, weil die Tiere nicht wissen, wo sie noch hin sollen.

Ein altersschwacher Geländewagen müht sich nach Sayanbouri. Manchmal reiten Mahouts auf ihren Elefanten an den Straßen entlang. Dann starren die Reisenden durch die Scheiben. Respekt und Neugierde in den Gesichtern – wegen eines Tieres, das einst das Königswappen schmückte.

Der Dschungel lebt. Es raschelt, kreischt, brummt, pfeift und surrt. Es ist schwül. Die Luft klebt am Körper. Schweißperlen stehen Herrn Peng auf der Stirn, und dunkle Flecken zeichnen sich auf seinem khakifarbenen Hemd ab. Und dann sind sie plötzlich da: Buaban, Serth und Bunthom. Die Elefanten sind in Ketten gelegt und ziehen Teakholzstämme den Hang hinauf. Sie murren und stöhnen, Bambusstöcke knallen auf ihre fünf Zentimeter dicke Haut. "Pai, pai. Tchoo, tchoo", die Mahouts bellen Befehle – "Stopp, stopp, zieh, zieh!".

Herr Peng begrüßt die Mahouts. Man kennt sich. Zigaretten werden ausgetauscht, Witze erzählt. Die Männer setzen sich in die Schneise, die die Rüsseltiere und ihre Last in den Dschungel gepflügt haben, und Herr Peng kramt in der Vergangenheit, als der Elefant noch den Stolz der Nation repräsentierte und das Dorfleben vom Rhythmus der Dickhäuter geprägt war. Er ahmt das Rasseln von Ketten nach. Klänk, klänk. Klänk, klänk. So hörte es sich an, wenn sie die langen Baumstämme über die Staubpisten zogen, die man Straßen nannte. Damals fingen Mahouts noch wilde Elefanten im Dschungel, der an das Dorf grenzte, zähmten sie und richteten sie zu Arbeitstieren ab.

Früher gab es hunderte Elefanten in den Wäldern um Hongsa. "Einen Elefanten im Garten zu haben war nichts Besonderes." Man wachte auf, blickte zum Fenster hinaus, und was sah man? "Elefanten, richtig." Doch das ist Vergangenheit. Die Dorfidylle seiner Kindheit gibt es nicht mehr. Die grauen Riesen sind verschwunden. Die Kinder von heute haben noch nie in ihrem Leben einen gesehen.

Sie sollten es aber, denn die Elefanten sind uns so ähnlich, sagt Herr Peng. Wenn sie einen Menschen, den sie mögen, nach langer Zeit wiedersehen, freuen sie sich. Jeder auf seine Art. Einer schnalzt, der andere schlackert mit den Ohren, sie trompeten, pfeifen – oder halten einen mit dem Rüssel fest. Trotzdem, ein Elefant kann auch gefährlich werden. "Da kann man trainieren, wie man will. Ein Rest Wildheit bleibt."

Etwa 20 Menschen werden von Elefanten im Jahr getötet – weil sie unachtsam waren, leichtsinnig. Und auch wenn die Tiere liebestoll sind und diesen hormonellen Schub bekommen, der Musth genannt wird, sollte man sich ihnen nicht nähern. Sie könnten bösartig und unbeherrscht reagieren. Herr Peng muss es wissen. Er hat im Wald zwischen Elefantenbeinen geschlafen, hat Wunden behandelt, Rüssel gekrault, geschmust, die Sohlen abgeschabt, Fußnägel geschnitten – und nie Angst gehabt vor vier Tonnen Fleisch, Muskeln und Knochen.