Frage: Herr Königshaus, nach dem Tod von drei Soldaten bei Kundus stellt sich die Frage: Steht der Bundeswehr in Afghanistan alles Gerät zur Verfügung, das sie zum eigenen Schutz braucht?

Königshaus: Nein, das ist nicht der Fall. Seit Jahren klagen Verteidigungspolitiker darüber, dass zu wenig geschützte Fahrzeuge sowie Hubschrauber zur Verfügung stehen und moderne Aufklärungssysteme fehlen. Unser Hauptproblem ist, wie wir unsere Soldaten am Boden schützen. Die Soldaten verlassen das Lager nur noch in gepanzerten Fahrzeugen. Diese Fahrzeuge bieten aber keinen ausreichenden Schutz gegen Minen und Sprengfallen. Das hat sich am Karfreitag wieder gezeigt, als eines der Fahrzeuge auf eine Mine fuhr und vier Soldaten verletzt wurden.

Frage: Wie könnte die Bundeswehr das Problem der Schutzfahrzeuge beheben?

Königshaus: Die Bundeswehr müsste einige der Leopard-2-Kampfpanzer nach Kundus schaffen, die hier in Deutschland in Depots stehen. Es heißt, der Leopard 2 sei zu schwer für die afghanische Berge. Für die Hochebene von Kundus trifft das Argument nicht zu. Dort könnte dieser moderne Kampfpanzer Leben schützen. Er ist besser gegen Minen geschützt als der Marder oder der Dingo. Sein Einsatz hätte auch eine abschreckende Wirkung auf die Taliban. Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er einen deutsche Patrouille angreift. Die Kanadier haben im übrigen mit dem Einsatz des Leopard 2 in Afghanistan gute Erfahrungen gemacht.

Frage: Wie lässt sich das Problem mit den Hubschraubern lösen?

Königshaus: Bei den Hubschraubern ist nun Entlastung zu erwarten, weil die Amerikaner starke Kräfte in den Raum Kundus verlegen und auch Hubschrauber zur Verfügung stellen. Ohne die Hilfe von US-Sanitätshubschraubern hätten wir am Karfreitag womöglich noch mehr Tote zu beklagen gehabt. Die Amerikaner wollen insgesamt 72 Hubschrauber nach Kundus bringen. Ich kann mir vorstellen, dass es dann keine Lücken mehr gibt.

Wir selbst müssen unsere Truppe aber so ausrüsten, dass sie auch ohne Hilfe der Amerikaner oder anderer Verbündeter klarkommt. Kampfhubschrauber fehlen der Bundeswehr seit Jahren. Hätten wir welche gehabt, wäre es im September 2009 wahrscheinlich nie zum Bombardement am Kundus-Fluss mit zivilen Opfern gekommen. Dann hätte Oberst Klein eine Alternative zur Anforderung von Kampfflugzeugen gehabt. Ihm standen aber ohne die Hubschrauber keine kleineren Eskalationsschritte zur Verfügung. Er hatte aber nur die Wahl, entweder gar nichts zu tun und seine Männer zu gefährden, oder aber den Luftschlag anzufordern.