Frage: Herr Rüttgers, Sie gelten als Bewunderer des großen Sozialdemokraten Johannes Rau. Was haben Sie von ihm gelernt?

Jürgen Rüttgers: Man muss eine Gesellschaft zusammenhalten, wenn man Erfolge erzielen will. Deshalb ist es wichtig, gerade jetzt in der Wirtschaftskrise dafür zu sorgen, dass keiner unter die Räder kommt. Deshalb war die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes so wichtig, die die Bundesregierung jetzt auf den Weg gebracht hat. Deshalb war es auch wichtig, dass wir nicht nur Banken gerettet haben, sondern auch mittelständische Betriebe.

Frage: Johannes Raus Lebensmotto war "Versöhnen statt spalten". Was wir in Berlin vom NRW-Wahlkampf mitbekommen, klingt nicht versöhnlich. Die SPD beklagt rüde Kampagnemethoden wie die Video-Überwachung ihrer Spitzenkandidatin Kraft.

Rüttgers: Der Einzige, der in den letzten Wahlkämpfen videoüberwacht worden ist, bin ich. Wir erleben im Moment einen hochpolitischen, harten Wahlkampf. Viele bei der SPD, den Grünen und den Linken haben noch nicht verwunden, dass die Bürger von Nordrhein-Westfalen vor fünf Jahren einen Wechsel gewählt haben. Ich bin aber sicher, dass die persönlichen Angriffe, die vielen Diffamierungen der letzten Tage ihre Wirkung verfehlen. Die Bürger durchschauen das.

Frage: Das jüngste CDU-Plakat zeigt die SPD-Kandidatin Hannelore Kraft vor einem Spiegel, aus dem die frühere hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zurückschaut. Warum diese Konzentration auf den politischen Gegner?

Rüttgers: Wir führen einen Wahlkampf mit landespolitischen Themen. Wir diskutieren über ein Programm für Nordrhein-Westfalen. Dieses Land soll das umweltfreundlichste Industrieland in Europa werden. Wir wollen weiter massiv unser Bildungssystem ausbauen, die Hochschulen fördern, neue Forschungszentren einrichten und bei alledem trotzdem die Finanzen in Ordnung bringen. Die Opposition will dagegen einen Denkzettel-Wahlkampf gegen Berlin führen. Zu den wichtigen Fragen im Wahlkampf gehört aber natürlich auch, ob die SPD eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausschließt oder nicht. Bisher hat sie das nicht getan, hat rumgeeiert. Die Leute wollen aber wissen, ob die SPD bereit ist, mit einer extremistischen Partei zusammen zu arbeiten.