Frage: Herr Gysi, werden Sie gern gemocht?

Gregor Gysi: Natürlich bin ich gerne beliebt. Als ich Anwalt wurde, wusste ich aber auch, dass ich mich in diesem Beruf bei einigen Leuten unbeliebt mache. Und in der Politik ist das genauso.

Frage: In Nordrhein-Westfalen ist die Linke bei der SPD nicht sonderlich beliebt. Rechnen Sie trotzdem damit, dass es dort das erste Linksbündnis im Westen geben wird?

Gysi: Ich glaube nicht, dass Hannelore Kraft die Kraft dazu hat. Aber natürlich wäre ich froh, wenn eine wirklich alternative Regierung in NRW zustande käme. Eigentlich müsste Frau Kraft sagen: Ich rede gerne mit der Linken. Wenn sie ernsthaft Ministerpräsidentin werden will, muss sie entweder mit der FDP oder der Linken koalieren. Eine große Koalition kann nur unter einem CDU-Ministerpräsidenten stattfinden, alles andere wäre eine Regelverletzung. Aber wo soll denn der Kompromiss mit der FDP liegen? Was will die SPD mit der FDP erreichen bei der Atomkraft, der Bildung oder im Kampf gegen Sozialabbau?

Frage: Wäre die Linke in Nordrhein-Westfalen denn überhaupt regierungsfähig und –willig?

Gysi: Wenn ich mir die Regierung von Herrn Rüttgers anschaue, kann ich nur sagen: Was die können, schaffen wir schon lange. Natürlich darf die Linke nicht ihre Prinzipien aufgeben, nur um zu regieren. Aber wir müssen auch bereit sein, Kompromisse zu machen, wenn wir dadurch die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern können.

Frage: Die Linke ist zum ersten Mal in NRW in den Landtag eingezogen. Hätten Sie überhaupt Leute, die als Minister taugen würden?

Gysi: Natürlich. Wir haben schon welche in petto.

Frage: In Ihrer Partei gibt es Befürchtungen, dass ein Linksbündnis in Nordrhein-Westfalen im Chaos enden könnte und damit jede Perspektive für Rot-Rot-Grün im Bund 2013 kaputt gemacht wird. Sehen Sie diese Gefahr auch?

Gysi: Man kann in der Politik nicht warten, bis der ideale Zeitpunkt gekommen ist. Jetzt gibt es die Möglichkeit für Rot-Rot-Grün. Wenn sie real besteht, müssen wir sie nutzen. Eine alternative Regierung darf nicht an uns scheitern. Ich bin sehr froh, dass der Landesverband NRW das auch so sieht.

Frage: Der Kreisverband Leverkusen hat Plakate mit dem Slogan geklebt: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten." Was macht sie so zuversichtlich, dass die Linken-Basis in NRW einen Koalitionsvertrag mittragen würde?

Gysi: Die Basis ist anders als manche Funktionäre. Unsere Mitglieder werden nicht mit Nein stimmen, wenn eine Koalitionsvereinbarung zustande käme, in der unsere Kernforderungen erfüllt sind: kein Sozialabbau, keine weitere Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge, netto kein Stellenabbau im öffentlichen Dienst, ein vernünftiges Bildungssystem, das für Chancengleichheit sorgt, und eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen.

Frage: An diesem Wochenende wird die Linkspartei in Rostock zwei neue Vorsitzende wählen. Wird Oskar Lafontaines Rückzug aus der Bundespolitik der Partei schaden?