Drei Jahre lang, seit seinem Rücktritt 2007, hielt sich Tony Blair aus der britischen Innenpolitik heraus, widmete sich dem Geldverdienen, seinen Immobilien und dem Nahostfrieden. Aber er schrieb auch, per Hand und ganz allein, wie er dem Guardian versicherte, seine über 700 Seiten langen Memoiren.

Am Mittwoch kam das Buch in die englischen Buchhandlungen, und die Geheimhaltung war wie bei einem Harry-Potter-Buch. Erste Auszüge wurden um Mitternacht auf Tony Blairs Homepage veröffentlicht. Noch bevor das Buch um 9 Uhr in den Buchläden war, hatte es mit vernichtender Kritik an Blairs Nachfolger Gordon Brown wie eine Bombe eingeschlagen – vor allem in der Labourpartei.

"Es war klar, dass das nie funktionieren würde", schreibt Blair. Er habe gewusst, dass Brown "ein katastrophaler Premier" werde, schreibt Blair, die Labour-Partei habe ihm "leid getan". Dann resümiert er Browns Charakter so: "Politisches Kalkül: ja. Politische Gefühle: nein. Analytische Intelligenz: absolut. Emotionale Intelligenz: null."

Ausführlich begründet Blair, warum er den Schatzkanzler und Quertreiber Brown nicht feuerte: Ein vor die Tür gesetzter Brown hätte die gesamte Labourregierung destabilisiert. Dramatisch ist der Bericht, wie Brown die entscheidende Reform der Renten mit einem Erpressungsakt blockieren will: Brown drohte, eine parteiinterne Untersuchung des Spendenskandals zu erzwingen, wenn Blair die Reform nicht fallen lasse. Blair blieb hart, zwei Stunden später kündigte Labour-Schatzmeister Jack Dromey im Fernsehen die Untersuchung an, die dann zum Verhör Blairs führen sollte.

Blair schreibt über "den Albtraum" des Irakkriegs, Prinzessin Diana, "die manipulativ ist, wie ich", den Streit um die Fuchsjagd, darüber, wie er den Nordirlandfriedensprozess mit Lügen beförderte und über seine Begegnungen mit George W. Bush. Aber es waren die ständigen Auseinandersetzungen mit Brown, die ihn dazu trieben, "Stütze im Alkohol" zu suchen. Ein Whisky vor dem Essen und dann bis zu einer halben Flasche Wein am Abend.