Der Münchner Flughafen darf eine dritte Start- und Landesbahn bekommen. Die Regierung von Oberbayern genehmigte die neue Piste unter bestimmten Auflagen. Seit dem Antrag zum Ausbau des Flughafens nordöstlich von München im Jahr 2007 gingen 84.000 Einwendungen gegen die dritte Startbahn ein, mit der die Kapazität von stündlich 90 auf zukünftig 120 Starts und Landungen erhöht werden soll.

Der Flughafen-Betreiber FMG rechnet mit dem Baubeginn der neuen Landebahn frühestens im Herbst 2012. Das Unternehmen werde zunächst das Ende der Einspruchsfrist und die ersten Urteile der Gerichte über zu erwartende Klagen gegen den Sofortvollzug der Entscheidung abwarten, sagte ein Sprecher. Die Kosten für die dritte Startbahn werden auf eine Milliarde Euro geschätzt. Mit der Fertigstellung wird nicht vor 2015 gerechnet.

FMG hatte den Antrag auf einen Ausbau mit dem wachsenden Passagieraufkommen begründet. Im vergangenen Jahr wurden 35 Millionen Passagiere und 390.000 Starts und Landungen registriert. Wegen der Weltwirtschaftskrise und einem Rückgang des weltweiten Luftverkehr-Aufkommens hatte die Regierung von Oberbayern Gutachten in Auftrag gegeben, um die Verkehrsprognosen der Betreibergesellschaft zu prüfen. Diese Gutachten hätten den Ausbaubedarf bestätigt, teilte die Regierung mit.

Nachtflugverbot und Grundstücksverkäufe

Um die Belastung der Anwohner in Grenzen zu halten, dürften Flugzeuge auf der dritten Startbahn allerdings nur von 6 bis 22 Uhr abheben. In der besonders betroffenen Ortschaft Attaching können etwa 100 Grundstückseigentümer statt Schallschutzmaßnahmen oder Entschädigungen auch verlangen, dass ihr Grundstück vom Flughafen zum Wert des Jahres 2007 übernommen wird.

Der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl erklärte, "wider besseres Wissen hat die Regierung von Oberbayern ein Milliarden Euro teures Projekt gebilligt, für das es keinerlei Bedarf gibt und das den Menschen im Flughafen-Umland weitere massive Nachteile bringen wird." Magerl warf der FMG vor, dass es den Mehrbedarf an Flügen in München nicht gebe. "Dass man den Luftverkehr in der Art und Weise ausbaut, ist vom Klimaschutz her völlig kontraproduktiv."

Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Flughafens, Michael Kerkloh, bezeichnete die Entscheidung als die "wichtigste Weichenstellung für den Luftverkehrsstandort München seit der Verlagerung" von seinem alten Standort in Riem. Vom Ausbau würden insbesondere die Bevölkerung und die heimische Wirtschaft profitieren.

Um den Gegnern ausreichend Zeit für Klagen zu geben, veröffentlichte die Regierung von Oberbayern den gut 2.800 Seiten starken Beschluss, verschob aber die förmliche Bekanntgabe gegenüber Bürgern, Kommunen und Naturschutzverbänden auf September. Anfang November läuft die Frist für Klagen aus.