Lothar König ist ein Mann des Wortes. Es musste einiges passieren, dass er Wörter für zu schwach erachtete. Dass er zu der Überzeugung kam, dass man mit Neonazis nicht reden kann.

Als seine Tochter an einem Abend im Sommer 1993 mit einer klaffenden Wunde im Gesicht vor ihm stand, wusste er es. Vier Jugendliche aus der rechten Szene in Jena hatten Katharina König aufgelauert. Als sie den Club verließ, den der Vater im Zentrum der Stadt für junge Leute eingerichtet hatte, wurde sie mit einem Baseballschläger verprügelt. Da war sie 15 Jahre alt.

Bis zu jenem Vorfall hatte der Vater, ein evangelischer Pfarrer, geglaubt, man könne mit den rechten Jugendlichen reden. Er organisierte 1992 sogar ein Fußballturnier zwischen den jungen Menschen, die sich in seinem Club Junge Gemeinde Stadtmitte trafen, und den Rechten. Er setzte sich mit beiden Gruppen zusammen, moderierte, als sie darüber stritten, welche Musik gespielt werden sollte. Das Spiel lief gut. Es gab auch noch ein Rückspiel.

Anfang der 90er Jahre wurde in Jena viel darüber diskutiert, wie man mit den Rechten umgehen soll, die es zwar auch in der DDR gegeben hatte. Aber nun wurden sie immer mehr. 1991 waren die Ausschreitungen in Hoyerswerda, im Jahr darauf die in Rostock-Lichtenhagen. Die meisten Menschen waren noch davon überzeugt, dass man die Rechtsradikalen im Osten nicht ausgrenzen dürfe. Man versuchte mit ihnen zu reden. Die Jugendclubs der Stadt hießen sie willkommen. Die Sozialarbeiter dort versuchten, ihren Hass gegen alles Fremde in Bahnen zu lenken.

"Das waren damals keine gereiften Personen. Das waren vaterlose Kinder", sagt Lothar König heute. "Ich dachte nicht, dass das echte Nazis waren, sondern, dass sie einfach ein bisschen vom Weg abgekommen waren." Er will rechtfertigen, wieso er die Gefahr, die von der Szene ausging, anfangs unterschätzte.

Aus der Gruppe, die seiner Tochter das Gesicht zerschlug, ging eine rechtsextreme Terrorzelle hervor: Uwe B., Uwe M. und Beate Z., bekannt als das Nazi-Trio von Jena. Sie haben offenbar das ganze Land mit rassistisch motivierten Morden überzogen und Raubüberfälle verübt, wurden dabei vielleicht sogar vom Verfassungsschutz Thüringens unterstützt, eine Staatsaffäre ist daraus geworden – und auch aus der ganzen rechtsradikalen Szene der Region.

König sitzt in seinem Club, der jetzt eine Bastion ist gegen die Aggression, ein wichtiger Treffpunkt im Zentrum von Jena. Lothar König ist heute in der Stadt und in der Region eine wichtige Persönlichkeit im Kampf gegen die Rechten. Heute gilt er als kompromisslos. Die Polizei wirft ihm vor, auf einer Demo gegen Neonazis in Dresden zu Gewalt aufgerufen zu haben.