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Schiiten und Sunniten bekämpfen sich überall

Im Irak will der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki seinen sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi verhaften lassen. Der Westen rüstet das wahabistische Königreich Saudi-Arabien, das die schiitische Minderheit im eigenen Land unter der Knute hält und eine Gegenmacht zum schiitischen Gottesstaat Iran bildet, mit modernster Waffentechnik aus. In der afghanischen Hauptstadt Kabul tötet die pakistanische sunnitische Terrorgruppe Lashkar-e-Jhangvi bei einem Anschlag auf einen schiitischen Schrein 80 Menschen.

Was diese Ereignisse des Jahres 2011 gemein haben? Ihnen liegt der Religionsstreit zwischen Schiiten und Sunniten zugrunde, der 2012 weiter eskalieren und immer mehr Länder von der arabischen Halbinsel bis Mittelasien erschüttern wird.

Die genannten Ereignisse waren dafür nur Vorboten. Im Irak könnte der Konflikt zwischen Schiiten und den beiden islamischen Glaubensrichtungen das Land zerreißen und nach dem Abzug der letzten amerikanischen Soldaten rasch in einem offenen Bürgerkrieg münden. Auch in Afghanistan wird der Krieg gegen die Taliban und andere Aufständische zunehmend religiös aufgeladen. Zumal, wenn nun fanatische Gruppen aus dem sunnitisch geprägten Nachbarland Pakistan mitmischen und -bomben.

Hinter all dem steht der Dauerkonflikt zwischen den schiitischen Machthabern in Teheran und den sunnitischen Herrschern in den arabischen Ländern um die Vorherrschaft in der Region. Auf den Nahen und Mittleren Osten wird das 2012 destabilisierende Auswirkungen haben.

(Steffen Richter)