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Krisenfinale der FDP

Die FDP bleibt Zwei-Prozent-Partei. Und der Führungskampf hält an: Fraktionschef Rainer Brüderle darf zwar beim Stuttgarter Dreikönigstreffen nur ein Grußwort halten. Aber selbst damit wird er den angeschlagenen Parteichef Philipp Rösler in den Schatten stellen. Obgleich auch Brüderle kein Rezept hat, mit dem die Liberalen Wähler zurückgewinnen können, wird der frühere rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Weinbauminister zum ständigen Herausforderer Röslers.

Einen Aufschwung verschafft das der FDP nicht. Bei der Wahl in Schleswig-Holstein fliegt sie erneut aus dem Landtag. Rösler tritt noch am Wahlabend zurück. Brüderle wird auf einem Sonderparteitag zum Nachfolger gewählt. Auch auf den Posten des Wirtschaftsministers kehrt er zurück.

Der droht der Kanzlerin mit einem Platzen der Koalition, wenn die zur Rettung der Euro-Krisenländer jetzt auch noch Gemeinschaftsanleihen erwägt, für die die deutschen Steuerzahler mithaften müssten. Merkel aber reagiert gelassen: Sie weiß, die dann fällige Neuwahl würde den sicheren Untergang der FDP bedeuten. Deshalb, kalkuliert sie zu Recht, wird Brüderle letztlich vor einem Koalitionsbruch zurückschrecken.

Ohnehin hat sich Merkel längst auf die Zeit nach Schwarz-Gelb eingestellt: Nach der Wahl 2013 möchte sie statt mit der schwindsüchtigen FDP wieder in einer Großen Koalition regieren. Denn mit der SPD ging es trotz Finanzkrise und ideologischer Gegensätze ruhiger und professioneller zu.

(Lisa Caspari/Ludwig Greven)