Möglicherweise wird Aung San Suu Kyi bald ein Regierungsamt in Birma übernehmen. "Es besteht die Möglichkeit, dass sie in die Regierung berufen wird", sagte ein Berater des Präsidenten Thein Sein. Nach der für April geplanten Nachwahl zum Parlament werde die Staatsführung Suu Kyi ein "angemessenes" Amt zubilligen.

Dabei sollten die Wünsche der Friedensnobelpreisträgerin berücksichtigt werden. Voraussetzung sei, dass Suu Kyi bei der Wahl ein Abgeordnetenmandat erringe. Die Nachwahl war in 48 Wahlkreisen nötig geworden, da Abgeordnete auf Regierungsposten berufen wurden.

Aung San Suu Kyi ist die bekannteste Dissidenten der langjährigen Militärdiktatur Birma. Sie stand von den vergangenen 21 Jahren mehr als 15 unter Hausarrest ; Regierungschef der Junta war der jetzige Präsident Thein Sein. Der ehemalige Widersacher Suu Kyis hatte nach seiner Wahl im November 2010 die Parteiengesetze geändert. Er leitete Reformen ein und ließ Suu Kyi aus dem Hausarrest frei.

Bei den Wahlen im November 2010 war Suu Kyis Partei Nationalliga für Demokratie (NLD) nicht angetreten, da sie sich nicht den Regeln der Militärjunta beugen wollte. Daraufhin wurde die Partei automatisch aufgelöst.

Seit Frühjahr 2011 gilt die Junta formell als zivile Regierung. In den Machtpositionen sitzen allerdings weiterhin ehemalige Generäle sowie Politiker von Gnaden des Militärs. Präsident Thein Sein öffnete die Politik leicht: Er ließ rund 300 politische Gefangene frei und begann einen Dialog mit Suu Kyi.

Suu Kyi hatte die NLD  im Dezember 2011 wieder in das Wahlregister eintragen lassen . Damit wurde die Partei für die Nachwahl zum Parlament zugelassen.