Mit deutlicher Mehrheit hat das griechische Parlament das umstrittene Sparpaket gebilligt. Damit ermöglichen die Abgeordneten weitere Hilfskredite der Europäischen Union, die das Land dringend benötigt. Die Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150.000 Staatsbediensteten bis 2015 vor.

Bei der Abstimmung im 300 Mitglieder zählenden Parlament votierten 199 der 278 anwesenden Abgeordneten dafür, darunter die Sozialisten und die Konservativen sowie einige unabhängige Abgeordnete. Es gab 74 Gegenstimmen von kommunistischen und linken Abgeordneten und Abweichlern aus den Reihen der beiden großen Parteien. Parlamentspräsident Petsalnikos musste in der hitzigen Debatte mehrmals einschreiten, weil einzelne Abgeordnete die Aussprache mit Schreien und Beschimpfungen störten.

Die Fraktionen von Konservativen und Sozialisten schlossen unmittelbar nach der Abstimmung jeweils etwa 20 Abgeordnete aus ihren Reihen aus, die gegen den Entwurf gestimmt hatten. Zwei der 16 Abgeordneten der ultrarechten Partei Laos , die sich in der vergangenen Woche aus Protest gegen die Sparpläne aus der Regierung zurückgezogen hatten, votierten hingegen für die Maßnahmen.


Die Parlamentsdebatte wurde von schweren Ausschreitungen bei Protesten mit insgesamt rund 100.000 Teilnehmern in der Hauptstadt Athen und in Thessaloniki begleitet. Mindestens 80 Menschen, darunter 30 Polizisten, wurden verletzt. Demonstranten warfen mit Steinen und Brandsätzen, worauf die Polizei mit Tränengas reagierte. In Athen versuchten Protestierende, die Absperrungen vor dem Parlament zu durchbrechen. Zudem setzten sie Geschäfte und Banken in Brand.

"Wir haben enorme Schäden", bilanzierte Athens Bürgermeister Giorgos Kominis. Die Hauptstraßen Panepistimiou, Stadiou, die Einkaufsstraßen Athinas und Ermou und der zentrale Syntagmaplatz vor dem Parlament sahen wie ein Trümmerfeld aus. 45 Gebäude wurden nach Feuerwehrangaben angesteckt. Einige davon brannten völlig aus. Zahlreiche Läden und Banken wurden schwer beschädigt und geplündert, dutzende Ampeln zerschlagen. Empörte Händler standen ratlos vor den Trümmern ihrer Geschäfte. Alle Parteien des Landes verurteilten die schweren Ausschreitungen und machten "dunkle Kreise" für das Chaos verantwortlich.

Euro volatil

Griechenland benötigt dringend neuen Kredit der EU-Staaten . Hätte sich die Abstimmung weiter verzögert, wäre das überschuldete Land im März vermutlich bankrott gewesen. Die Finanzminister der Eurozone machen ihre Zustimmung zu einem weiteren Kredit von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank in Höhe von 130 Milliarden Euro unter anderem davon abhängig, dass Griechenland neue Einsparungen in Höhe von 325 Millionen Euro umsetzt. Außerdem sollen sich die Chefs der Regierungsparteien schriftlich zu Sparmaßnahmen verpflichten. Dies soll verhindern, dass die Zustimmung durch die für April vorgesehene Neuwahl des Parlaments obsolet werden könnte.

Der Dax reagierte mit Kursgewinnen auf die Entscheidung in Athen. In den ersten Handelsminuten legte er um 0,85 Prozent auf 6.750 Punkte zu. Für den MDax ging es um 0,65 Prozent auf 10.316 Punkte hoch und der TecDax verbesserte sich um 0,54 Prozent auf 774 Punkte. Der Euro reagierte mit Kursausschlägen in beide Richtungen. Nach der Abstimmung stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung in einer ersten Reaktion kräftig und erreichte ein Tageshoch bei 1,3259 US-Dollar. Im weiteren Verlauf der Nacht fiel er auf zeitweise 1,3200 Dollar und stand zuletzt bei 1,3240 Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,7551 Euro.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler drängte Griechenland zu einer zügigen Umsetzung des neuen Sparpakets. Zwar sei es gut, dass die Gesetze mit einer großen Mehrheit beschlossen worden seien, sagte der FDP-Politiker in der ARD. Entscheidend sei aber die Umsetzung von strukturellen Reformen.

Minister zurückgetreten

Griechenland hatte bisher bereits 110 Milliarden Euro Kredit und Bürgschaften erhalten, die nun aber nicht mehr ausreichen.

Die Beratungen der Regierung von Premier Pademos hatten sich Ende vergangener Woche lange hingezogen. Am Freitag traten zudem noch mehrere Minister zurück. Zwischenzeitlich war unklar gewesen, ob die Spargesetze die notwendige Mehrheit finden.