Bei anderen Prozessen hatten die zuständigen Richter andere Methoden der Akkreditierung gewählt. Das Landgericht Mannheim war im Jahr 2010 beim Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann nach der sogenannten Topf-Methode vorgegangen. Um die verschiedenen Mediengattungen zu berücksichtigen, wurden für die zur Verfügung stehenden 48 Plätze fünf Töpfe gebildet, erläuterte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Joachim Bock, dem Tagesspiegel . Einer für Journalisten von Print- und Online-Medien, der zweite für die öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sender, der dritte für Radio-Journalisten, der vierte für Nachrichtenagenturen. Die Freien Journalisten teilten sich die Plätze in Topf Nummer fünf.

Da es sich bei Jörg Kachelmann um einen Schweizer Staatsbürger handelt, achteten die Mannheimer darauf, die Medien aus dem Nachbarland zu berücksichtigen. So entfielen zum Beispiel im Print- und Online-Topf 17 Plätze auf bundesdeutsche und vier auf Schweizer Medien. Auch beim zeitlichen Ablauf gingen die Mannheimer auf Nummer sicher. Die Akkreditierung begann erst zwei Wochen, nachdem das Landgericht das Verfahren bekannt gegeben hatte.

Quotensystem in Oldenburg

Auch das Landgericht Oldenburg hatte 2008 wegen dem großen Andrang auf den Prozess gegen einen 30-Jährigen , der von einer Autobahnbrücke einen Holzklotz auf ein fahrendes Auto geworfen und dadurch die Beifahrerin getötet hatte, ein andere Akkreditierungsverfahren praktiziert. Weil klar war, dass die 20 Presseplätze im Verhandlungssaal nicht reichen würden, entschieden sich die Richter für ein Quotensystem. Fünf Wochen vor Prozessbeginn teilten sie per Pressemitteilung mit, wie viele Plätze für welche Medien-Kategorien reserviert würden. Die Oldenburger Justiz gab allen Medien eine Woche Zeit, sich per Mail um ihre Zulassung zu bewerben. Erst nach Anmeldeschluss entschied das Gericht, welche der 31 Bewerber zum Zuge kamen. Unklar blieb allerdings, nach welchen Kriterien überzählige Bewerber aussortiert wurden.