Inmitten des Streits zwischen Großbritannien und Spanien um das britische Überseegebiet Gibraltar hat ein britisches Kriegsschiff an dem Küstenareal angelegt. Die HMS Westminster machte am Morgen Halt in Gibraltar . Die britische Regierung wies darauf hin, dass sich die Fregatte auf einer Mission im Rahmen eines lang geplanten Marine-Manövers im Mittelmeer befinde. Ihr Stopp in Gibraltar habe nichts mit dem Streit um Fischereirechte in den Gewässern vor dem Felsvorsprung zu tun. Einwohner Gibraltars begrüßten das einlaufende Schiff und schwenkten britische Fahnen.

Die Spannungen zwischen Großbritannien und Spanien hatten sich zuletzt deutlich verschärft. Die Regierung von Gibraltar hatte Ende Juli rund 70 Betonklötze ins Meer gelassen und damit ein künstliches Riff erzeugt. Nach Angaben der Regierung war dies nötig, um die Fanggründe vor Gibraltar zu sichern. Spanien sah darin eine Vertreibung spanischer Fischer und einen Verstoß gegen EU-Umweltbestimmungen. Madrid reagierte mit einer Verschärfung der Kontrollen an der Grenze zu Gibraltar, was täglich zu langen Staus führt und den Streit mit London verschärfte.

Am Sonntag hatten Dutzende spanische Fischer mit ihren Booten gegen die Regierungen Gibraltars und Großbritanniens protestiert. Nachdem ihnen Patrouillenboote der britischen Küstenwache den Weg abschnitten, kehrten sie um.

Die EU will in dem Streit vermitteln und Beobachter nach Gibraltar schicken. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verständigte sich mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy darauf, möglichst bald ein Beobachterteam zu entsenden. Es soll überprüfen, ob bei den Kontrollen an der Grenze zwischen Gibraltar und Spanien sowie beim Personen- und Güterverkehr die EU-Bestimmungen eingehalten werden.

Gibraltar kritisiert Spanien

Der britische Premierminister David Cameron hatte die Entsendung von EU-Beobachtern gefordert und die Kontrollen als politisch motiviert bezeichnet. Die teilweise stundenlangen Wartezeiten an der Grenze seien unverhältnismäßig und ein Verstoß gegen die Reisefreiheit in der EU.

Im Jahr 1713 hatte Spanien Gibraltar dauerhaft an Großbritannien abgetreten. Seit langer Zeit fordert Madrid jedoch die Rückgabe des 6,8 Quadratkilometer kleinen Felsterritoriums. Die britische Regierung will dies nur in Erwägung ziehen, falls die Bevölkerung in Gibraltar es wünscht – die ist allerdings klar probritisch.

Dem spanischen Regierungschef hat die Verwaltung von Gibraltar vorgeworfen, mit dem Streit um die Riffe lediglich von der schweren Wirtschaftskrise im eigenen Land und Korruptionsvorwürfen um seine Volkspartei (PP) ablenken zu wollen. Spanien verhalte sich wie Nordkorea , sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo. Eher werde die "Hölle zufrieren", als dass Gibraltar die Riffe aufgebe.