Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben in Kairo ein drittes Protestlager aufgebaut. Damit trotzten die Muslimbrüder einer Warnung der ägyptischen Übergangsregierung. Sie hatte vor zwei Tagen damit gedroht, die beiden größten Camps der Islamisten in der ägyptischen Hauptstadt zu räumen

Tausende Mursi-Anhänger ignorierten die Drohung. Sie bauten im östlichen Stadtteil Heliopolis Zelte auf und blockierten den Verkehr. Über dem neuen Protestlager kreiste ein Militärhubschrauber. Die Regierung bezeichnet die Camps als eine "Bedrohung der nationalen Sicherheit". Die Islamisten fordern die Wiedereinsetzung von Präsident Mursi, der am 3. Juli von der Armee abgesetzt worden war und an einem geheimen Ort inhaftiert ist.

Im Stadtteil Mediacity am Rand von Kairo kam es zu Zusammenstößen zwischen Mursi-Unterstützern und der Polizei. Dabei setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein.

Auf der anderen Seite der ägyptischen Hauptstadt ging die Polizei ebenfalls mit Tränengas gegen Islamisten vor. Sie sollen versucht haben, einen Gebäudekomplex zu stürmen, in dem viele private Fernsehsender untergebracht sind. Die Anhänger Mursis hatten sich vor dem Gebäude im Vorort "6. Oktober" versammelt, um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung der Medien zu protestieren.

Wut der Muslimbrüder auf die USA

Auch in anderen ägyptischen Städten versammelten sich Zehntausende Anhänger Mursis. Ihr erneuter Protest richtete sich auch gegen Äußerungen von US-Außenminister John Kerry. Dieser hatte in einem Fernsehinterview die Entmachtung von Mursi durch das Militär gerechtfertigt. Dies sei im Sinne des Volkes gewesen. "Das Militär wurde von Millionen und Abermillionen Menschen zum Einschreiten gebeten, die allesamt Angst davor hatten, in Chaos und Gewalt abzugleiten", sagte Kerry. Das Militär habe nicht dauerhaft die Macht, vielmehr werde Ägypten inzwischen von einer zivilen Übergangsregierung geführt. "Letztlich wurde dadurch die Demokratie wiederhergestellt", sagte der US-Außenminister. Die Gewalt gegen protestierende Muslimbrüder in den vergangenen Wochen sei jedoch "völlig inakzeptabel".

Ende Juli waren bei schweren Auseinandersetzungen mindestens 80 Menschen getötet worden. Vor einem Monat hatte sich Präsident Barack Obama noch "sehr besorgt" über das Einschreiten der Armee geäußert.

Die Muslimbrüder waren entsetzt über die Aussagen Kerrys. "Wir glauben, dass die US-Regierung mitschuldig an dem Militärputsch ist", sagte der Sprecher der Islamistenbewegung, Gehad al-Haddad. Er forderte die US-Bevölkerung auf, sich gegen eine Regierung zu erheben, "die ihre Werte verrät, indem sie Tyrannei und Diktatur unterstützt". 

Weltweit mühen sich Regierungen intensiv um eine Vermittlung in Ägypten. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) war nach Kairo gereist. Zu Kerrys Äußerungen sagte Westerwelle: "Die Amerikaner versuchen wie wir, die Lage zu beruhigen."