Die Parteichefin der Grünen , Claudia Roth , will sich nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden zur Wahl stellen. "Ich werde bei der Neuwahl des Bundesvorstands nicht mehr antreten", sagte sie. "Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Neuausrichtung." Damit übernimmt die langjährige Parteivorsitzende Verantwortung für das schlechte Ergebnis der Grünen bei der Bundestagswahl.

Als Nachfolgerin von Roth ist die frühere saarländische Umweltministerin Simone Peter im Gespräch. Sie gehörte bis Anfang 2012 zum Kabinett der Jamaika-Fraktion aus CDU , FDP und Grünen unter Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Roth hatte ihren Rückzug zuvor bei einem Treffen mit Bundestagsabgeordneten der Grünen vom linken Parteiflügel angekündigt. Bei den Grünen hatte es schon Spekulationen gegeben, Roth werde sich womöglich vom Parteivorsitz zurückziehen.

Auf einem Bundesparteitag im Herbst sollen nach der Wahlniederlage vom Sonntag Bundesvorstand und Parteirat neu gewählt werden. Roth kündigte an, sich um das Amt der Bundestagsvizepräsidentin bewerben zu wollen. Roth war wie die gesamte Führung der Grünen einen Tag nach der Wahl zurückgetreten.

Druck auf Jürgen Trittin wächst

Spitzenkandidat und Fraktionschef Jürgen Trittin , der eine erneute Kandidatur für Führungsämter bei den Grünen offen gelassen hat, gerät zunehmend unter Druck. Der Europaparlamentarier und frühere Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer , forderte angesichts des schlechten Wahlergebnisses Trittin zum Rücktritt vom Fraktionsvorsitz auf. "Leider ist trotz sehr guter Ausgangslage und hohen Engagements eine Menge zusammengekommen, was diese drastische Niederlage herbeigeführt hat", sagte Bütikofer der Süddeutschen Zeitung .

Trittin habe als Spitzenkandidat ein starkes Mandat der gesamten Partei gehabt, nicht zuletzt auch der Realos. "Aber aufgetreten ist er nur als Sprecher für den linken Flügel. Und Katrin Göring-Eckardt konnte dieses Defizit nicht ausgleichen", sagte Bütikofer.

Nötig sei eine Neuaufstellung der Grünen auch mit einem Wechsel des Personals. "Der Bundesvorstand geht mit gutem Beispiel voran, aber die Hauptverantwortung lag bei anderen", sagte Bütikofer. "Auch in der Fraktion muss es einen Führungswechsel geben." An der Spitze der Fraktion standen bisher Trittin und Renate Künast .

Heftige Kritik an der Führung kam auch vom früheren Außenminister und Grünen-Spitzenpolitiker Joschka Fischer. "Es scheint fast, als ob die derzeitige Führung der Grünen älter geworden ist, aber immer noch nicht erwachsen", sagte Fischer dem Spiegel . "Sie hat eine Strategie verfolgt, die nicht nur keine neuen Wähler gewann, sondern viele alte vergraulte. Statt über Umwelt und Europa , Bildung und Familien haben wir nur über Steuern und Abgaben geredet." Fischer nannte es einen fatalen Fehler, die Grünen "strategisch auf einen Linkskurs zu verringern". Damit sei die Partei "in der Konkurrenz zu SPD und Linken gnadenlos untergegangen", sagte er. 

Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck verlangt einen radikalen Neuanfang bei seiner Partei und rechnete scharf mit der Strategie der Bundesspitze ab. "Wir haben skeptische Wähler mit unserer trotzigen Art für blöd erklärt", sagte er dem Spiegel . "Wir haben uns ein Vorschreiber-Image erworben, etwas Spießbürgerliches, das wir nie sein wollten." Habeck forderte eine "Aufarbeitung und einen Neuanfang", der auch Personalfragen einschließe. Die nächste Bundestagsfraktion müsse sich entscheiden, ob der "scharfe Konfrontationskurs" unter Fraktionschef und Spitzenkandidat Jürgen Trittin richtig gewesen sei. "Wenn der nicht fortgesetzt werden soll, stellt sich die Personalfrage", sagte Habeck.