Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hält eine Koalition mit der Union für höchst unwahrscheinlich. Wenn Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) die Grünen zu Gesprächen über eine neue Regierung einladen würde, "dann setzt man sich hin und redet", sagte Künast in der ARD . Chancen für eine schwarz-grüne Koalition sieht sie aber nicht. "Trotz extrem großer Fantasie bei mir: Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir mit Frau Merkel und dieser CDU nicht nur nach dieser Art des Wahlkampfs, sondern auch von den Inhalten her zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen sollten", sagte Künast. So habe sich Merkel etwa als Bremserin der Energiewende gezeigt.

Künast forderte eine "klare, tabulose Debatte" der Grünen über die Gründe für deren schlechtes Abschneiden bei der Bundestagswahl . Für Personaldiskussionen sei aber noch nicht die Zeit. "Ich finde, wir würden einen Fehler machen, wenn wir sofort reflexartig Personalfragen lösen würden", sagte sie. Als Grund für das schwache Ergebnis ihrer Partei gab sie an, dass ihre Partei nicht habe "vermitteln können, dass wir die Mitte der Gesellschaft wollen". 

Ähnlich äußerte sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). "Wir haben den Eindruck erweckt, wir seien eine Verbotspartei, wir haben bei den Steuern Maß und Mitte verlassen. Da entstand heftiges Misstrauen uns gegenüber", sagte er der Stuttgarter Zeitung

Auch der grüne Oberbürgermeister Stuttgarts Fritz Kuhn geht mit seiner Partei hart ins Gericht. "Wir hatten eine sauschlechte Kampagne, die Wahlplakate waren unterirdisch", sagte er dem SWR. Viele Wähler wollten nicht geduzt werden, wie es auf den Wahlplakaten geschehen sei. Da dürfe man den Kiez in Berlin nicht mit dem ganzen Land verwechseln. 

Die Verluste seiner Partei führte Kuhn auch darauf zurück, dass die Grünen ihre Stammthemen nicht in den Vordergrund gestellt hätten. Der Veggie Day sei ein Riesenfehler gewesen. Die Menschen wollten zwar besseres Essen, aber über das Wann und Wie wollten sie selber entscheiden. "Wir haben eine gehörige Lektion aufzuarbeiten", sagte Kuhn.

SPD sträubt sich weiter gegen Rot-Rot-Grün

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sieht die Verhandlungen zu einer Regierungsbildung nicht automatisch auf Schwarz-Rot zulaufen. "Erst einmal gibt es überhaupt keinen Automatismus einer Großen Koalition. Es gibt auch noch eine andere Option, die möglich ist", sagte sie im ARD-Fernsehen im Hinblick auf Schwarz-Grün. Es sei ganz klar, dass die SPD sich jetzt ganz viel Zeit lasse und genau berate. "Und mal ganz abgesehen davon hat Frau Merkel sich bei uns auch noch nicht gemeldet", sagte Nahles.

Zu einer schon im Wahlkampf ausgeschlossenen Koalition aus SPD , Linken und Grünen sind die Sozialdemokraten weiterhin nicht bereit. "Wir haben vor der Wahl gesagt, dass es Rot-Rot-Grün nicht gibt. Ich sehe keinen Grund, warum wir nach der Wahl etwas anderes machen sollten", sagte Nahles.  

Die stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht , hofft dagegen auf eine Richtungsänderung der SPD. "Wir fordern nicht zu Gesprächen auf", sagte sie der Mitteldeutschen Zeitung . "Die SPD muss auf uns zukommen. Aber wir weisen natürlich darauf hin, dass die SPD ihre 25 Prozent für Inhalte bekommen hat, die sie allesamt mit der CDU nicht umsetzen kann." Sie hoffe, dass die Mitglieder in der SPD, die noch an sozialdemokratische Ideale glaubten, sich aufrafften und dem Agenda-2010-Kurs ein Ende setzten. "Dann könnten wir Partner sein", sagte Wagenknecht.

SPD-Linke gegen Große Koalition

Der linke Flügel der SPD warnte vor einer raschen Festlegung auf eine Koalition mit der Union. Eine Große Koalition werde den Sozialdemokraten "nicht gut tun" und dürfe "nicht um jeden Preis" eingegangen werden, sagte die Sprecherin des linken SPD-Flügels, Hilde Mattheis, im SWR.

Auch der Berliner SPD-Chef Jan Stöß will keine rasche Entscheidung zugunsten der Union. "Ich möchte da gar nicht so schnell sein", sagte er im RBB. Die SPD habe "auch bei leichten Zuwächsen keinen Regierungsauftrag" bekommen. Diesen habe die Union. "Wir haben einen Oppositionsauftrag bekommen, und wenn Sie mich fragen, sollten wir den auch annehmen", sagte Stöß.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat Verständnis für das Zögern bei SPD und Grünen, eine Koalition mit der Union zu bilden. "SPD und Grüne müssen sich auch sortieren nach so einer schmerzlichen Niederlage, das alles braucht ein, zwei Tage Zeit", sagte Altmaier in der ARD. Wichtig sei, dass eine stabile Mehrheit für vier Jahre zusammenkomme. "Wir haben den Auftrag, die Regierung in den nächsten Jahren mit der Kanzlerschaft von Angela Merkel zu führen", sagte Altmaier. "Es gibt keine politische Unterstützung für Rot-Rot-Grün. Das ist eine gute Ausgangsbasis für die Gespräche, die wir jetzt führen."