In der Abhör-Affäre um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben hochrangige US-Beamte der deutschen Seite weitere Gespräche zugesichert. Der Dialog in Geheimdienst-Fragen werde in den kommenden Tagen und Wochen fortgesetzt, teilte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice nach einem Treffen mit Kanzleramtsvertretern im Weißen Haus mit. Konkrete Zusagen über ein mögliches Anti-Spionage-Abkommen zwischen Deutschland und den USA wurden nicht bekannt.

Das Treffen mit den deutschen Kollegen sei "konstruktiv" gewesen, schrieb Rice auf Twitter . Die Zusammenarbeit mit Deutschland solle gestärkt werden. Zu den Gesprächen waren der außenpolitische Berater der Kanzlerin, Christoph Heusgen, und Geheimdienst-Koordinator Günter Heiß mit US-Vertretern zusammengekommen.

Auf US-Seite nahmen neben Rice der Geheimdienstdirektor James Clapper und die Antiterror-Beraterin des US-Präsidenten, Lisa Monaco, an dem Termin teil. NSA-Chef Keith Alexander wurde durch Vizechef John Inglis vertreten. Der Termin in der US-Hauptstadt war das erste Treffen zwischen hochrangigen Vertretern Deutschlands und den USA seit bekannt wurde, dass Merkels Handy vom US-Geheimdienst überwacht wurde.

Das Treffen sei die Weiterführung des Telefonats zwischen Merkel und US-Präsident Barack Obama , sagte dessen Sprecher Josh Earnest. Außerdem sei es Teil der US-Bemühungen, Spannungen rund um die Berichte über die NSA-Spionage aufzulösen, sagte Earnest. Auch die von der Bundesregierung angestrebte "klare Grundlage" darüber, was genau die Geheimdienste tun und wie sie zusammenarbeiten, sei Thema der Gespräche, teilte ein Regierungssprecher in Berlin mit.

Auch im US-Außenministerium bemühten sich die Deutschen um Aufklärung in der Späh-Affäre. Merkels außenpolitischer Berater Heusgen traf die dortige Abteilungsleiterin für Europa , Victoria Nuland. Zudem sollte Heusgen den stellvertretenden US-Außenminister William Burns treffen.

Überwachung von Behörden soll ausgeschlossen werden

Deutschland arbeitet nach Informationen der Deutschen Presseagentur auf ein zweiseitiges Abkommen hin. Darin  müsste die US-Seite unter anderem darauf verzichten, Regierung, Behörden und diplomatische Vertretungen auszuspähen. Damit solle die maßlose Überwachung durch US-Geheimdienste verhindert werden, hieß es in Berlin. Außerdem soll der Datenschutz sowie die Privatsphäre der Bürger in Deutschland sichergestellt werden. Es dürfe kein Ausspionieren ohne Anlass geben. Geheimdiensttätigkeit gegen Terroristen oder Waffenhandel wären damit aber nicht eingeschränkt.

Den Kanzleramtsv ertretern dürften bald weitere deutsche Besucher folgen, die Fragen rund um die NSA-Affäre klären wollen. Schon kommende Woche sollen Hans-Georg Maaßen und Gerhard Schindler die US-Hauptstadt besuchen. Maaßen ist Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Schindler Präsident des Bundesnachrichtendienstes.

EU-Vertreter ebenfalls in Washington

Die Europäische Union sucht unterdessen auf eigenen Wegen nach Antworten von der US-Regierung. Drei getrennte Delegationen des EU-Parlaments waren am Mittwoch in Washington zum Thema NSA und der millionenfachen Überwachung von EU-Bürgern unterwegs. In der US-Regierung hätten mittlerweile viele Menschen verstanden, dass die Enthüllungen nahezu einen "Kollateralschaden" verursacht hätten, sagte Elmar Brok, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament. Dieser Ansehensverlust sei "teurer" als alles, was die USA durch Spionage an Informationen gewonnen hätten.

Auch bei den Vereinten Nationen in New York könnte die Spionage der USA diese Woche Thema werden. Berlin will bei den UN den Entwurf für eine Resolution einbringen, mit der private Kommunikation übers Internet vor Spähaktionen geschützt werden soll. Unterstützt wird Deutschland dabei von Brasilien. Dessen Präsidentin Dilma Rousseff wurde vom US-Geheimdienst ebenfalls bespitzelt. Allerdings sind solche UN-Resolutionen nicht bindend.

Die Deutschen sind in den USA derweil unter Spionageverdacht geraten. Die Washington Post zitierte auf ihrer Website ungenannte US-Beamte, wonach der deutsche Auslandsgeheimdienst BND 2008 die Kommunikation von mindestens 300 Einwohnern der USA ins Visier genommen habe. BND-Chef Gerhard Schindler sagte der ZEIT: "Aus der deutschen Botschaft in Washington wird keine Fernmeldeaufklärung durchgeführt." Diesem Satz ist allerdings nicht zu entnehmen, dass der BND keine US-Bürger abhört.