Bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm hat es diplomatische Fortschritte gegeben, doch ist ein Durchbruch noch nicht gelungen. Das Treffen der Unterhändler solle am 20. November in Genf fortgesetzt werden, sagte die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton. Es seien wesentliche Meinungsverschiedenheiten geblieben. An den Verhandlungen beteiligt sind die UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland, die EU und Iran.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte in der gemeinsamen Pressekonferenz, es gebe die Hoffnung auf eine Übereinkunft. "Ich bin nicht enttäuscht. Wir hatten drei sehr produktive Tage, und das ist etwas, auf das wir aufbauen können", sagte er. Vor iranischen Journalisten sagte er: "Wichtig ist, dass alle Seiten die politische Zielstrebigkeit und den guten Willen für eine Lösung haben. Wir haben den ersten Schritt unternommen und werden trotz der Differenzen weiter an einer Lösung arbeiten." Er hoffe, die Unstimmigkeiten würden beim nächsten Treffen beigelegt, sagte Sarif.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, Iran sperre sich gegen eine Reihe von Zugeständnissen, die im Gegenzug für die Lockerung der Sanktionen gegen das Land nötig seien. Nach Angaben westlicher Diplomaten sind die Forderungen Frankreichs härter als die anderer westlicher Staaten. Einzelheiten nannten die Diplomaten nicht,

US-Außenminister John Kerry sprach nach dem Ende des Treffens dennoch von einem "bedeutenden Fortschritt". Man sei einem Abkommen näher gekommen als zuvor. Die Gespräche brauchten Zeit, weil das seit langem existierende Misstrauen zwischen dem Westen und dem Iran überwunden werden müsse. Kerry sagte, das Fenster für die Diplomatie werde aber nicht unbegrenzt offen stehen. "Die Uhr läuft", sagte der US-Außenminister. Ziel der Verhandlungen sei es weiterhin, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern.  

Der amtierende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, es gebe noch offene Fragen. "Wir haben Tage sehr intensiver Verhandlungen über das iranische Atomprogramm hinter uns. Wir haben dabei wichtige Fortschritte erzielen können", sagte er. "Unser Ziel ist weiter eine umfassende Lösung, die eine nukleare Bewaffnung des Iran verhindert."

Die seit Jahren stockenden Verhandlungen hatten unter der neuen Führung in Teheran wieder Schwung bekommen. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms den Bau von Atombomben vorzubereiten.  

Übergangslösung im Gespräch

Auf dem Verhandlungstisch lag eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hieß. Demnach soll der Iran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockiertes Geld aus Öleinnahmen freigegeben werden.

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht an Nuklearwaffen arbeitet. Teheran will diese Sorge ausräumen, fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschließlich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits angekündigt, sein Land lasse sich nicht durch eine mögliche Vereinbarung der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran binden. "Israel lehnt sie (die Vereinbarung) vollkommen ab", zitierte ihn die Zeitung Haaretz am Freitag.