Baden-Württemberg hat nach einem neuen Gutachten zu viel Geld für Anteile am Energieversorger EnBW ausgegeben. Der Gutachter spricht von knapp 780 Millionen Euro. Das teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Das Geschäft war vom damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) veranlasst worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Gutachten in Auftrag gegeben; sie ermittelt gegen Mappus wegen Untreue zulasten des Landes beim Kauf von EnBW-Anteilen und will das Gutachten in ihre strafrechtliche Beurteilung einbeziehen. 

Im Dezember 2010 hatte Mappus als damaliger Regierungschef den Rückkauf von EnBW-Aktien vom französischen Staatskonzern EDF arrangiert. Baden-Württemberg bezahlte seinerzeit 4,7 Milliarden Euro, ohne dass der Landtag informiert wurde. Die rot-grüne Landesregierung wirft Mappus vor, der Preis sei viel zu hoch gewesen.

Der Münchner Finanzwissenschaftler Wolfgang Ballwieser kommt laut Anklagebehörde zu dem Schluss, dass der Unternehmenswert zum Zeitpunkt des Kaufs einem Aktienpreis von 34,58 Euro entsprochen habe. Das Land habe aber 41,50 Euro pro Aktie ausgegeben. Daraus ergibt sich die Differenz von 778,6 Millionen Euro. 

Auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags beschäftigt sich mit der Frage, ob damals zu viel für die Anteile bezahlt worden ist. Wegen des neuen Gutachtens und Akten, die bei der EDF und bei der Investmentbank Morgan Stanley in Paris beschlagnahmt wurden, wird die Arbeit des Ausschusses nicht wie geplant in diesem Jahr seine Arbeit beenden. Morgan Stanley beriet Mappus bei dem Aktienkauf.