Musik ist Sprache, wo Sprache endet, heißt es. Aber ist Musik vielleicht auch Sprache, die Sprache beginnen lässt? Ganz so sah es bei diesem sehr besonderen Konzert in der Stadt Isfahan im Iran aus.

Iran - Stehende Ovationen für die inoffizielle Hymne des Iran Drei deutsche Künstler reisen durch den Iran um europäische Klassik zu präsentieren. Doch mit einem alten iranischen Musikstück gelang ihnen der interkulturelle Dialog. (www.west-oestlicher-diwan-weimar.de)

Es war ein Tipp der Gastgeber. Kurz vor dem Konzert hatten die Violinisten Rebekka Hartmann und Josef Kröner sowie der Pianist Julian Riem gemeinsam mit iranischen Musikern die inoffizielle iranische Nationalhymne einstudiert. Das Stück Vatanam ("Mein Heimatland") stammt aus der Zeit der Schahs und hat die islamische Revolution von 1979 überlebt. Die Reaktion des Publikums auf den Gemeinschaftsauftritt war überwältigend. Jubelrufe und -pfiffe, minutenlanger Applaus. Gänsehautgefühl.

Eine Woche lang waren die Deutschen im Iran unterwegs, organisiert hatte die Reise der Weimarer Kulturwissenschaftler Klaus Gallas. Mit seiner Veranstaltungsreihe West Östlicher Diwan versucht er ehrenamtlich, neue Bande zwischen Deutschland und dem Iran zu knüpfen.

Hartmann, Kröner und Riem traten in Teheran, Isfahan und Schiraz auf, spielten Chopin, Bartók und Paganini, jedes Mal vor vollen Rängen. Und jedes Mal verlangte das Publikum zwei Zugaben des Vatanam. Zweimal Gänsehautgefühl, bitte.

"So viele Farben und Sprachen", heißt es im Text der Hymne, "singen miteinander so fröhlich, so glücklich. Wegen der Kraft des jungen Iran. Wegen der Kraft des jungen Iran."