Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) hat rasche Klarheit über einen internationalen Militäreinsatz in Afghanistan nach 2014 verlangt. Bei einem Besuch der Bundeswehrtruppe in Masar-i-Scharif forderte er die afghanische Regierung auf, mit der Unterzeichnung eines dafür zwingend notwendigen Sicherheitsabkommens nicht bis zur Präsidentschaftswahl im April zu warten. Das sei "sicher zu spät", sagte de Maizière.

Gleichzeitig warnte der amtierende Minister aber davor, den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai öffentlich zu sehr unter Druck zu setzen. "Alle Seiten wissen, dass wir rasch dieses Abkommen brauchen. Öffentlicher Druck führt nach meiner Kenntnis der Person des Präsidenten Karsai und der afghanischen Mentalität nicht zu einer Beschleunigung", sagte er.

Die USA drängen Karsai dazu, das Sicherheitsabkommen noch in diesem Jahr zu unterzeichnen. Sie drohen mit einem Abzug aller Soldaten aus Afghanistan bis Ende 2014 und der Streichung finanzieller Hilfsmittel. Kernpunkt des Abkommens ist der Schutz ausländischer Soldaten vor Strafverfolgung durch die afghanischen Behörden. Karsai hatte erklärt, er wolle die Unterzeichnung seinem im April zu wählenden Nachfolger überlassen. 

De Maizière setzt Tradition fort

Ein Truppenbesuch in Afghanistan kurz vor Weihnachten hat Tradition bei den deutschen Verteidigungsministern. Masar-i-Scharif ist das letzte von einst drei größeren deutschen Feldlagern in Nordafghanistan. 

Derzeit sind noch etwa 3.400 deutsche Soldaten in Afghanistan. Die Nato will Ende 2014 ihren Kampfeinsatz dort beenden und dann noch mit 8.000 bis 12.000 Soldaten zur Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte im Land bleiben. Deutschland will 600 bis 800 Soldaten für die Mission zur Verfügung stellen.

De Maizière befürchtet, dass die Einsatzplanung für die Zeit nach 2014 nicht mehr möglich ist, wenn nicht bald die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Dazu zähle neben dem Sicherheitsabkommen eine Zusage der USA für ein weiteres Engagement. "Ich möchte jetzt aber auch keinen Zeitraum sagen, wann wir planerisch einen letzten Punkt haben, bei dem es nicht mehr geht. Das wäre auch taktisch nicht klug. Ich sage nur: je früher je besser", sagte de Maizière.

Bundeswehr: Keine Verletzten bei Anschlag

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist während des Ministerbesuchs ein Selbstmordanschlag auf einen Bundeswehrkonvoi verübt worden. Dabei wurden nach Angaben eines Bundeswehrsprechers keine deutschen Soldaten verletzt. Ein Fahrzeug mit einem Sprengsatz sei in den Konvoi hineingefahren. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums hatte der Täter sein mit Sprengstoff geladenes Auto in der Nähe des Flughafens, dem Fahrziel der Kolonne, gezündet. Der Attentäter starb.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Nach ihren Angaben seien zwei deutsche Militärfahrzeuge zerstört und zehn Soldaten getötet oder verwundet worden. Die Taliban haben ihre Darstellung von Anschlägen auf ausländische Soldaten meist übertrieben.