Hunderte Polizisten haben in der Nacht mit dem Sturm auf ein Protestlager auf dem Maidan-Platz im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew begonnen. Als sie die Barrieren um das Camp niederzureißen versuchten, leisteten ihnen die Demonstranten Widerstand. Die Beamten zogen sich zunächst an die Ränder des Lagers zurück, setzten dann jedoch erneut zum Sturm auf Camp an. Es kam zu Zusammenstößen mit den Protestierenden. Etliche von ihnen wurden verletzt und von Polizisten weggebracht. 

Einige Demonstranten skandierten Parolen wie "Schämt euch!" und "Wir bleiben stehen!" und stimmten die ukrainische Nationalhymne an. Vor Ort war auch ein orthodoxer Priester, der Gebete verlas. Zuvor war den Demonstranten eine Gerichtsentscheidung bekannt gemacht worden, nach der weitere Kundgebungen im Zentrum Kiews untersagt wurden.

Ungeachtet des zunehmenden Drucks der Staatsmacht will die ukrainische Opposition in ihrem Kampf für eine Annäherung ihres Landes an Europa nicht klein beigeben. "Wir werden, wenn es notwendig ist, hier auch bis ins neue Jahr bleiben", schrieb Boxweltmeister und Oppositionsführer Vitali Klitschko in einem Beitrag für die Bild. "Und wir lassen uns erst recht nicht mit brutalen Aktionen einschüchtern!" 


Die USA kritisierten den Einsatz der ukrainischen Polizei gegen die Demonstranten scharf. Die US-Regierung sei "angewidert" von der Entscheidung der ukrainischen Behörden, mit Spezialeinheiten, Panzern und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, sagte US-Außenminister John Kerry. Dies sei "weder akzeptabel noch ziemt es sich für eine Demokratie".

Mitglieder der Spezialeinheit Berkut hatten am Dienstag Oppositionsanhänger aus dem seit Tagen belagerten Regierungsviertel vertrieben. Sie räumten deren Barrikaden aus Mülltonnen sowie Stacheldraht. Präsident Viktor Janukowitsch machte trotz der inzwischen fast drei Wochen langen Proteste erneut klar, dass es mit ihm keine Annäherung an die Europäische Union geben werde. Seine Regierung hatte ein Abkommen mit der Europäische Union auf Druck Russlands nicht unterzeichnet.