Der italienische Senat hat dem neuen Ministerpräsidenten Matteo Renzi das Vertrauen ausgesprochen. In der Nacht stimmten 169 Senatoren für den Regierungschef und seinen Reformkurs, 139 gegen ihn. Benötigt hatte Renzi mindestens 155 Stimmen. Nun steht noch die Abstimmung im Abgeordnetenhaus an, die für heute erwartet wurde. Dort verfügt die Koalition Renzis über eine komfortable Mehrheit.

Vor dem Vertrauensvotum hatte Renzi für eine Unterstützung seiner Koalitionsregierung geworben. "Unsere Dinge in Ordnung zu bringen, das tut man nicht für Angela Merkel oder die EU, sondern aus Respekt vor unseren Kindern und denen, die nach uns kommen", sagte Renzi. Er forderte Mut zu radikalen Entscheidungen und kündigte einen sofortigen Wandel an.

Der sozialdemokratische Regierungschef sagte, bis zum Ende der Legislaturperiode 2018 regieren zu wollen und sich der Dringlichkeit der Reformen für Italien bewusst zu sein. "Wir können nicht davon ausgehen, dass jemand anderes unsere Probleme löst", sagte Renzi. Italien sei erstarrt und versumpft in einer erstickenden Bürokratie. Deshalb seien eine Vereinfachung der Strukturen und Abläufe sowie ein politisches Zusammenrücken jetzt vorrangig.

Der 39 Jahre alte Renzi, Italiens jüngster Ministerpräsident, versprach eine "mutige Vision" für die Wirtschaft des Landes. Unter anderem schlug er eine Senkung der Lohnsteuer vor, um so neue Jobs zu schaffen. Wie diese Maßnahme finanziert werden soll, sagte er allerdings nicht.

Die Senatoren reagierten mit verhaltenem Applaus auf die Rede, sprachen sich dann aber klar für Renzi und seine Regierung aus. Renzis Koalition besteht aus seiner eigenen Mitte-Links-Partei (PD), kleineren Parteien des Zentrums sowie der konservativen Partei NCD von Innenminister Angelino Alfano.

In Renzis Kabinett sind viele, für italienische Verhältnisse ausgesprochen junge Minister, die politisch als weitgehend unbelastet gelten. Renzi hatte seinen Parteikollegen Enrico Letta nach einem internen Machtkampf zum Rücktritt als Ministerpräsident gezwungen.