Die Bewohner der syrischen Stadt Homs haben ungeachtet der brüchigen Waffenruhe erste Hilfslieferungen bekommen. Obwohl der Konvoi beschossen wurde sind Lebensmittel und Medikamente für Zivilisten in der seit eineinhalb Jahren belagerten Altstadt eingetroffen. Mindestens zwei Lastwagen der Vereinten Nationen (UN) erreichten die Stadt. 

Die beiden Fahrzeuge kamen in den von Rebellen gehaltenen Bezirken unter Beschuss, sagte der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barrasi. Demnach gingen zwei am Straßenrand versteckte Sprengsätze hoch, kurz darauf sei eine Mörsergranate niedergegangen.  

UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos zeigte sich enttäuscht über den Bruch der Waffenruhe. Der Beschuss mit Hilfsgütern beladener Lastwagen sei "eine krasse Erinnerung an die Gefahren, denen Zivilisten und Hilfskräfte tagtäglich in Syrien ausgesetzt" seien, sagte sie. Alle Konfliktparteien seien aufgerufen, die humanitäre Pause zu achten, den Schutz von Zivilisten zu gewährleisten und die sichere Lieferung von Hilfsgütern zu ermöglichen. 

Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden bei dem Beschuss  vier Mitarbeiter der Hilfsorganisation Roter Halbmond verletzt. Für den Angriff machte der Staatssender die Rebellen verantwortlich. Die Hilfsorganisation sprach nur von einem verletzten Helfer. Der Aktivist Omar Homsi aus dem belagerten Teil der Stadt sagte dagegen, Heckenschützen des Regimes hätten Schüsse auf den Zugang zur Altstadt abgegeben, um die Einfahrt der Hilfskonvois zu sabotieren.

Der Rote Halbmond teilte mit, es seien 250 Lebensmittelpakete und 190 Pakete mit Hygieneartikeln und Medikamenten ausgeliefert worden. Das UN-Team habe die Stadt wieder verlassen, zwei beschädigte Lastwagen seien zurückgelassen worden. 

Rettung von Zivilisten

Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad belagern die von den Rebellen gehaltenen Gebiete von Homs seit Mitte 2012. Bis vor kurzem hatten sie keine Hilfslieferungen durchgelassen und damit die Lage der dort eingeschlossenen Zivilisten verschärft.  

Die Hilfsvereinbarung für Homs war das bisher einzige greifbare Ergebnis nach den ersten Syrien-Friedensgesprächen in Genf. Der Kompromiss war erst vor wenigen Tagen erzielt worden. Die Umsetzung der Vereinbarung gilt als wichtige Voraussetzung für die zweite Runde der Genfer Friedensgespräche. Sie soll am Montag beginnen.

Auch die Rettung von Bewohnern aus der belagerten Altstadt vom Homs soll weitergehen. Die UN hatten am Freitag in einem ersten Schritt 83 Kinder, Frauen und ältere Menschen in Rollstühlen in Sicherheit bringen lassen.