Das ukrainische Parlament hat die Bildung einer Regierung auf Donnerstag verschoben. Es seien noch weitere Konsultationen nötig, sagte Parlamentschef und Übergangspräsident Alexander Turtschinow. Spätestens am Donnerstag müsse dann aber ein "Kabinett des nationalen Vertrauens" stehen. Die Fraktionsvorsitzenden und zuständigen Komitees arbeiteten Tag und Nacht, sagte Turtschinow.

Nach dem Sturz von Präsident  Viktor Janukowitsch und der Absetzung seiner Regierung war die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten für heute erwartet worden. Die Übergangsregierung soll das Land zu Neuwahlen am 25. Mai führen.

Offizielle Kandidaten für das Amt des Regierungschefs gibt es nicht. Gehandelt für den Posten wird der frühere Parlamentspräsident Arseni Jazenjuk, der im Parlament die Fraktion der Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko führt. Als weiterer möglicher Kandidat wird zudem der Unternehmer und frühere Außen- und Wirtschaftsminister Pjotr Poroschenko genannt.

Für die Ukraine wäre die Wahl des Regierungschefs ein wichtiger Schritt aus der schweren Krise. Da das Land vor dem Staatsbankrott steht, reißt sich niemand um den Posten des Regierungschefs.

Russland hat sich gegen den geplanten Termin für eine vorgezogene Präsidentschaftswahl am 25. Mai ausgesprochen. Außenminister Sergej Lawrow sagte, die Vereinbarung für die Übergangsphase in der Ukraine sehe zunächst eine Verfassungsreform vor. Es sei "wichtig, was auch immer passiert, sich an die Vereinbarung zu halten", sagte Lawrow.

Janukowitsch plante offenbar Großeinsatz auf dem Maidan

Laut Dokumenten, die in einer Residenz von Janukowitsch gefunden wurden, wollte der flüchtige Ex-Präsident die Demonstrationen gegen seine Regierung offenbar mit einem Großeinsatz Tausender Polizisten niederschlagen.

Nach den Plänen, die ein Abgeordneter der bisherigen Opposition im Internet veröffentlichte, sollte der Unabhängigkeitsplatz in Kiew umstellt werden. Scharfschützen hätten das Feuer auf die Demonstranten eröffnen sollen. 22.000 Polizisten, darunter 2.000 Spezialkräfte, sollten an der Aktion beteiligt werden.

Mit der Veröffentlichung solle der Druck auf die neue Führung erhöht werden, den flüchtigen Janukowitsch vor Gericht zu stellen, sagte der Abgeordnete Hennadi Moskal. Der Ex-Präsident wird mit Haftbefehl gesucht, ihm wird Massenmord vorgeworfen.

Separatismus als Gefahr

Lawrow äußerte sich tief besorgt angesichts des Einflusses rechtsextremer Kräfte in der Ukraine. Radikale Kräfte besetzten noch immer öffentliche Gebäude in der Hauptstadt Kiew, kritisierte Lawrow.

Der ukrainische Übergangspräsident Turtschinow warnte vor separatistischen Tendenzen im Land. Er werde mit den Sicherheitsbehörden die "gefährlichen Anzeichen für Separatismus" erörtern, sagte er. Weitere Details nannte er nicht. Abgeordnete hatten im Parlament davor gewarnt, die Ukraine könnte wegen der Absetzung von Janukowitsch gespalten werden. Janukowitsch hatte vor allem im russischsprachigen Osten und Süden des Landes seine Machtbasis.

Lawrow mahnte, die Ukraine dürfe nicht zu einer Entscheidung über engere Bindungen an die Europäische Union oder an Russland gezwungen werden. "Es ist gefährlich und kontraproduktiv zu versuchen, die Ukraine zu einer Entscheidung zu zwingen nach dem Motto: Entweder bis du für uns oder gegen uns", sagte Lawrow.  

Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius warnte, die EU und Russland gegeneinander zu stellen. "Alle Partner einschließlich Russland müssen der Ukraine helfen können", sagte Fabius dem Sender France 2. Die Ukraine müsse zugleich mit der EU und mit Russland zusammenarbeiten können. Es wäre folgenschwer", sollte Russland dem Land seine Unterstützung entziehen, sagte Fabius.