Taiwanesische Polizisten haben unter Einsatz von Schlagstöcken die von Demonstranten besetzen Büros der Regierung geräumt. 61 protestierende Studenten seien festgenommen worden, berichtete die taiwanesische Nachrichtenagentur CNA. 109 Demonstranten und 52 Polizisten seien verletzt worden.   

Hunderte Demonstranten hatten die Räume am Sonntag aus Protest gegen ein Handelsabkommen Taiwans mit der Volksrepublik China gestürmt. Nach Ansicht der Protestierenden gibt das Abkommen der Volksrepublik zu viel Einfluss auf die Wirtschaft Taiwans.

Ministerpräsident Jiang Yi-huah warf den Demonstranten vor, ihren Protest mit der Erstürmung seines Regierungssitzes übertrieben zu haben. "Die Studentenbewegung ist zu weit gegangen", sagte er.

Seit der Unterzeichnung des Abkommens durch Vertreter der Regierungen in Peking und Taipeh im vergangenen Juni hatten in Taiwan Zehntausende Menschen dagegen protestiert. Vergangene Woche hatten Demonstranten bereits das Parlament besetzt.

Krisensitzung der Regierung

Die Gegner des Abkommens werfen Präsident Ma Ying-jeou und seiner Regierungspartei Kuomintang vor, ihr Land zu sehr in Richtung Festlandchina zu steuern. Das Handelsabkommen ist zwar unterzeichnet, muss aber noch vom Parlament ratifiziert werden.  

Ma rief am Montagmorgen eine Krisensitzung seiner Regierung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Sicherheitskräfte um den Präsidentenpalast wurden verstärkt.

Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 waren die Nationalisten der Kuomintang unter Chiang Kai-shek auf die Insel Taiwan geflohen, die der chinesischen Festlandküste vorgelagert ist. Taiwan erklärte sich für unabhängig. Die Regierung in Peking sieht Taiwan aber nach wie vor als Teil Chinas an.