Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, akzeptiert die geplanten Veränderungen seiner Behörde. "Unabhängig von der Form ist wichtig, dass die Akten zugänglich bleiben und Forschung und Bildungsarbeit weitergehen", sagte Jahn in Bezug auf die mögliche vollständige Schließung der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen und eine Überführung der Papiere in das Bundesarchiv. 

Vor wenigen Tagen hatte Jahn angekündigt, dass es künftig in jedem ostdeutschen Bundesland nur noch eine Außenstelle geben solle, die Anzahl würde damit von zwölf auf fünf sinken, bis 2019 könnte es mit der Stasi-Unterlagenbehörde schließlich komplett vorbei sein.

Sollten die Vorschläge realisiert werden, "darf nichts schlechter werden", sagte der frühere DDR-Oppositionelle. "Die Arbeit muss weitergehen. Es geht um bestmögliche Strukturen für die Aufarbeitung." 

Unabdingbar ist für Jahn deshalb, dass in der Behörde erreichtes Wissen und die Erfahrung im Umgang mit den Stasi-Akten nicht verloren gehen. Die Mitarbeiter müssten sich also keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. "Die Beschäftigten in den Dienststellen und Archiven der Behörde haben 15 Jahre und mehr Erfahrung im Umgang mit den Akten und ihrer Geschichte, das bleibt auf jeden Fall auch künftig erhalten", sagte die Sprecherin der Stasi-Unterlagenbehörde, Dagmar Hovestädt, der Thüringer Allgemeinen.

Werden die Akten tatsächlich in die Zuständigkeit des Bundesarchivs verlagert, besteht laut der Zeitung Die Welt die Voraussetzung, dass die besonderen Zugangsregeln für Stasi-Akten erhalten blieben. Diese Regeln seien restriktiver, gleichzeitig jedoch auch liberaler als bei anderen Akten, die im Bundesarchiv lagern. Restriktiver deshalb, da alle Stasi-Akten aus datenschutzrechtlichen Gründen grundsätzlich gesperrt sind, da sie auf eine Art und Weise zustande gekommen sind, welche die Menschenrechte verletzt. Liberaler aus dem Grund, dass es für Betroffene und Journalisten auf Antrag möglich ist, bearbeitete, teilweise an vielen Stellen geschwärzte Akten doch noch einsehen zu können.