Frankreich nimmt nun doch an der Gedenkfeier zum  Völkermord in Ruanda teil. Als Vertreter Frankreichs werde der Botschafter Michel Flesch der Veranstaltung am Montag in Kigali beiwohnen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Sprecher des Außenministeriums. Von einem Boykott sei nie die Rede gewesen. 

Ruandas Präsident Paul Kagame hatte Frankreich in einem Interview mit der Zeitung Jeune Afrique vorgeworfen, am Genozid mitschuldig gewesen zu sein. Französische Soldaten, die für einen humanitären Militäreinsatz in der früheren belgischen Kolonie stationiert waren, seien Akteure und Komplizen bei den Massakern gewesen, sagte Kagame. Frankreich hatte die Teilnahme von Justizministerin Christiane Taubira an der Gedenkveranstaltung daraufhin zunächst abgesagt.

Beim Völkermord in Ruanda starben mindestens 800.000 Menschen. Die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an. Ausgelöst wurde der Genozid durch den Abschuss des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Habyarimana am 6. April 1994. Habyarimana gehörte zur dominierenden Bevölkerungsgruppe der Hutu. Diese machten die Tutsi für den Anschlag verantwortlich und begannen eine systematische Jagd auf die Angehörigen der Minderheit.

Annäherung durch Sarkozy

Im Jahr 2008 kam ein ruandischer Untersuchungsbericht zu dem Schluss, das französische Militär habe die für die Massaker an den Tutsi verantwortlichen Milizen ausgebildet. Die französische Regierung weist die Vorwürfe seit jeher zurück.

Erst 2010 hatten Frankreich und Ruanda wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Annäherung eingeleitet, als er mit Bezug auf den Genozid Fehleinschätzungen der Franzosen und der internationalen Gemeinschaft einräumte. Es sei nicht genug unternommen werden, um den Völkermord zu verhindern, sagte Sarkozy seinerzeit.