Ungeachtet von Boykottdrohungen Israels gegen die neue palästinensische Einheitsregierung planen die USA, mit der Ministerriege aus Experten zusammenzuarbeiten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe eine "technokratische Übergangsregierung" geformt, an der die radikalislamische Hamas-Bewegung nicht mit Ministern beteiligt sei, sagte die Sprecherin im US-Außenamt, Jen Psaki. Nach dem jetzigen Kenntnisstand wolle die Regierung in Washington mit diesem Kabinett kooperieren. Man werde aber genau beobachten, ob die zuletzt von Abbas bekräftigten Grundsätze auch eingehalten würden, sagte Psaki.

US-Außenminister John Kerry telefonierte am Montag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Dessen Sicherheitskabinett hatte einstimmig beschlossen, keine Friedensgespräche mit einer Regierung zu führen, an der die Hamas beteiligt ist. Es wird erwartet, dass Kerry Abbas am Mittwoch in Jordanien trifft. 

Die neue palästinensische Einheitsregierung legte am Montag ihren Amtseid ab. Das aus 17 parteilosen Fachleuten gebildete Kabinett unter Leitung von Ministerpräsident Rami Hamdallah soll künftig sowohl das Westjordanland als auch den Gazastreifen regieren. Die Hamas-Bewegung trägt die Regierung mit. 

Hamas-Regierung erklärt Rücktritt

Die Vereidigung erfolgte in der Mukataa, dem Sitz von Abbas in Ramallah. Die Konsensregierung ist das erste Ergebnis eines Aussöhnungsabkommens, das die von Abbas' PLO dominierte Fatah und die Hamas Ende April überraschend schlossen.

"Heute verkünden wir das Ende der palästinensischen Spaltung, die unserer nationalen Sache so sehr geschadet hat", sagte Abbas nach der kurzen Vereidigungszeremonie. "Diese schwarze Seite in unserem Geschichtsbuch wurde umgeblättert und wir werden nicht erlauben, dass diese Zeiten wiederkehren."

Die seit 2007 im Gazastreifen herrschende Hamas-Regierung erklärte ihren Rücktritt. In einer Fernsehansprache bezeichnete der bisherige Ministerpräsident Ismail Hanija das neue Einheitskabinett als "Regierung eines Volks und eines politischen Systems".