Bundespräsident Joachim Gauck sieht durch den Spionagefall beim Bundesnachrichtendienst (BND) die deutsch-amerikanischen Beziehungen belastet. "Wir hatten wirklich eine lange und intensive Debatte darüber, mit welchen Rechten die NSA ausgestattet ist gegenüber anderen Ländern und den Bürgern aus unserer Nation", sagte Gauck im ZDF-Sommerinterview.

Sollte sich herausstellen, dass ein BND-Mitarbeiter tatsächlich für einen US-Geheimdienst spioniert hat, "dann ist das wirklich ein Spiel auch mit Freundschaft, mit enger Verbundenheit", sagte Gauck. "Dann ist ja nun wirklich zu sagen: Jetzt reicht's auch einmal."

Die Bundesanwaltschaft hatte bereits am Mittwoch einen 31-jährigen BND-Mitarbeiter festnehmen lassen. Er hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur über einen Zeitraum von zwei Jahren 218 Dokumente an US-Geheimdienste weitergeleitet und dafür 25.000 Euro kassiert. Die Dokumente enthielten laut BND keine besonders sensiblen Informationen. Der BND geht davon aus, dass der Spion aus finanziellem Interesse und Geltungsdrang gehandelt hat.

Die beim Bundesamt für Verfassungsschutz angesiedelte Spionageabwehr kam dem Mann Ende Mai auf die Spur, nachdem er dem russischen Geheimdienst seine Dienste in einer E-Mail an das russische Generalkonsulat in München angeboten hatte. Als Beleg für seinen Wert schickte der Mann drei als geheim eingestufte BND-Dokumente mit, von denen zwei den NSA-Untersuchungsausschuss betrafen. Diese E-Mail wurde vom Verfassungsschutz abgefangen.