Russland ist nach den Worten des US-Botschafters in Kiew unmittelbar an den Kämpfen in der Ostukraine beteiligt. "Eine zunehmende Zahl russischer Soldaten greift direkt in die Kämpfe auf ukrainischem Territorium ein", schrieb Botschafter Geoffrey Pyatt bei Twitter. Moskau sei "direkt involviert". Er bestätigte zugleich Nato-Angaben, wonach neueste russische Abwehrsysteme installiert wurden.


Nach Angaben eines Nato-Diplomaten wurde ein russisches Luftabwehrsystem in den von den Separatisten kontrollierten Gebieten im Osten der Ukraine entdeckt. Es handele sich um ein SA-22-System, mit dem unter anderem Raketen der Gegenseite auf eine Entfernung von 20 Kilometern abgeschossen werden können. Der Diplomat, der anonym bleiben wollte, sagte, ein ähnliches System, ein SA-11, sei Mitte Juli beim mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeuges über der Ostukraine benutzt worden. 

Die USA hatten Russland zuvor vorgeworfen, eine Gegenoffensive der Rebellen in der Ostukraine bei Donezk und Luhansk zu lenken. Außenamtssprecherin Jen Psaki begründete diese Einschätzung unter anderem mit dem Eindringen russischer Soldaten in das Nachbarland. Die USA seien durch diese Entwicklung tief beunruhigt, sagte Psaki. Sie bezichtigte die russische Regierung, nicht die Wahrheit sagen zu wollen, selbst nachdem russische Soldaten in der Ukraine entdeckt wurden. Russland dementiert, die Separatisten im Osten der Ukraine mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen.

Für Frankreichs Präsident François Hollande wäre ein Einsatz russischer Soldaten in der Ukraine nicht hinnehmbar. "Sollte sich erweisen, dass sich russische Soldaten auf ukrainischem Boden befinden, dann wäre das unerträglich und inakzeptabel", sagte Hollande. "Russland muss die Souveränität der Ukraine respektieren, seine Unterstützung der Separatisten einstellen und sie dazu bringen, eine bilaterale Waffenruhe zu akzeptieren."

Separatisten sprechen von Tausenden Russen in ihren Reihen

Der Separatistenanführer Alexander Sachartschenko sagte im russischen Fernsehen, die Aufständischen in der Ostukraine erhielten Unterstützung aus Russland.  "Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten", sagte er. "In unseren Reihen hat es etwa 3.000 bis 4.000 gegeben."

Viele seien bereits heimgefahren, viele mehr aber geblieben. "Leider gab es auch Tote", sagte Sachartschenko. Die Russen seien ausschließlich Freiwillige. "Es ist kein Geheimnis, dass es unter den Freiwilligen aus Russland viele Ex-Militärs gibt", sagte er. 

Russische Warnung an die Nato

Russland warnte das westliche Militärbündnis davor, seine Truppen in der Nähe der russischen Grenze zu verstärken. Ein solcher Schritt würde die Beziehungen zur Regierung in Moskau nur verkomplizieren, sagte Russlands Nato-Botschafter Alexander Gruschko laut der Agentur Interfax. Die Aufstellung und die Aktivitäten von Nato-Truppen an der russischen Grenze würden in der russischen Militärplanung berücksichtigt. "Wir werden alles Nötige unternehmen, um für eine verlässliche Sicherheit zu sorgen und um den Schutz vor jeglicher Bedrohung zu garantieren", sagte Gruschko.

Seit Beginn der Krise in der Ukraine hat die Nato ihre militärische Präsenz in Osteuropa verstärkt. In der kommenden Woche trifft sich das Bündnis zu einem Gipfel in Wales.