Altbundeskanzler Helmut Schmidt sieht die Ukraine-Krise als ernsthafte Gefahr für den Frieden in Europa. "Zum ersten Mal seit dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges taucht an Europas Horizont die Möglichkeit eines Krieges auf", schreibt Schmidt in der ZEIT: "Ich gestehe meine wachsende Besorgnis."
Der Mitherausgeber der ZEIT kritisiert die russische Führung dabei ebenso scharf wie die EU. Die gegenwärtigen Handlungen sowohl Wladimir Putins als auch der Europäischen Union und der Nato seien "geeignet, die Sicherheit beider Seiten erheblich zu gefährden".
Den Ernst der Lage vergleicht der ehemalige Bundeskanzler mit der
Kuba-Krise von 1962, als der damalige sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow atomar bestückte Raketen auf Kuba stationierte. "Weil jene
Raketen die Sicherheit der USA (...) entscheidend
gefährdeten, geriet die ganze Welt an den Rand eines dritten
Weltkrieges," schreibt Schmidt.
Eine militärische Konfrontation à la Kuba-Krise ist denkbar
Eine ähnliche Situation befürchtet er auch heute: Tatsächlich gingen die Nordatlantische Allianz und die Russische Föderation einer militärischen Konfrontation à la Kuba-Krise entgegen, ohne sie zu wollen. "Weder Barack Obama noch Putin wollen Krieg, die Europäer wollen erst recht keinen Krieg – wohl aber müssen wir Angst vor dessen wachsender Wahrscheinlichkeit haben."
Nach Schmidts Einschätzung bietet die Kuba-Krise aber auch ein Vorbild für die Deeskalation der Lage. "Die Lösung der Kuba-Krise gelang, weil beide Seiten im Bewusstsein ihrer Verantwortung nachgegeben haben. Diese Lehre sollten die Diplomaten morgen und übermorgen beherzigen." Einen vollständigen Rückzug der Russen allerdings erwartet der Altbundeskanzler nicht: "Die Annexion der Krim (...) wird nicht rückgängig gemacht werden können."
Kommentare
Putinische Bedrohung
Wie sehr man ihm zustimmen muss. Nach dem Tod von Peter Scholl-Latour ist er einer der letzten wenigen Menschen, welche noch einen Überblick über die Weltpolitik zu behalten vermögen.
Aber wir sollten auch bereit sein, zu unseren Bündnisverpflichtungen zu stehen und - falls notwendig - engagiert auf Seiten der Freiheit und des Friedes einzugreifen und in den Krieg zu ziehen.
Erste Fehler machten die Bündnisstaaten
Herr Putin ist in seiner Machtgier gewiss nicht zu unterschätzen. Aber angefangen hat den (noch nicht militärischen) Krieg der Westen. Mit der Aufputschung der Ukraine.
Gott sei Dank, es geht ihm gut!
Lange, sehr lange gab es von Helmut Schmidt nichts mehr zu hören oder zu lesen. Der alte Fahrensmann ist also noch an Deck. Seinen ZEIT-Beitrag würde ich, fragte man mich, sofort unterschreiben.
Bitte äußern Sie sich konstruktiv und inhaltlich zum Thema. Die Redaktion/dj
@1 dermm ....
Schön, stehen Sie zu "Ihren" Bündnisverpflichtungen. Die bestehen aber aus mehr als komische Sachen zu schreiben, also ab an die Front. Von der Einsicht und Weisheit eines Herrn Schmidt sind sie noch SEHR weit entfernt. Aber geben Sie die Hoffnung nicht auf!
Russland hat kein Interesse an Deeskalation
Der Kreml wird beim Thema Ukraine nicht locker lassen, bis sich das Land wieder unter die Knute Russlands begibt. So warnte Putin wieder eindringlich davor, das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, da das sofortige Gegenmaßnahmen Russlands provoziere:
http://www.reuters.com/ar...
Außerdem sei daran erinnert, dass Russland seit dem Frühjahr 2 Atomwaffen-Tests durchgeführt hat, einen davon während der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim. Dass durch die Annexion mehrere internationale Verträge (Helsinki-Schlussakte, Budapester Memorandum etc.) gebrochen wurden, lässt Putin kalt.
"Russland hat kein Interesse an Deeskalation"
Die Taten Moskaus der letzten Monate sprechen eine andere Sprache.