Der deutsche Delegationsleiter für die Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato, Lorenz Caffier, hat von Deutschland mehr Verständnis für die russische Haltung im Ukraine-Konflikt gefordert. "Gerade wir Deutsche sollten nicht vergessen: Ohne Russland hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben", sagte Caffier, der Innenminister und CDU-Vorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, der Neuen Osnabrücker Zeitung

Caffier warnte vor einer diplomatischen Isolation Russlands. "Russland darf in den internationalen Gremien und Versammlungen nicht am Katzentisch sitzen", sagte er. Nötig seien Verhandlungen auf Augenhöhe und keine Drohgebärden. Aus seiner Sicht gehe von Russland gegenwärtig keine Bedrohung für Westeuropa aus, auf die die Nato reagieren müsse, sagte Caffier.

Die 60. Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Militärbündnisses findet am Sonntag und Montag in Den Haag statt. Caffier vertritt Deutschland auf der turnusmäßigen Herbsttagung als Vorsitzender der Delegation des Verteidigungsausschusses des Bundesrates.

Caffiers Werben um mehr Verständnis für Russland steht im Kontrast zu jüngsten Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte Russland in einer Rede in Sydney unter anderem vorgeworfen, die europäische Friedensordnung insgesamt zu gefährden.    

Lothar de Maizière kritisiert "Sanktionsschraube gegen Putin"

Diese Positionierung Merkel kritisierte der CDU-Politiker Lothar de Maizière. Merkel habe deutlich gemacht, "an der Sanktionsschraube gegen Putin weiterzudrehen. Ich halte das nicht für zielführend", sagte der erste erste demokratisch gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der DDR der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wirtschaftssanktionen schwächten Russland. "Wir müssen aber ein Interesse an einem stabilen Russland haben", sagte de Maizière, der auch Sprecher des deutsch-russischen Forums Petersburger Dialog ist. Nach seiner Auffassung liegen die Sanktionen "im amerikanischen und nicht im europäischen Interesse".

Anfang der Woche hatte der frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gefordert, die Annexion der Krim durch Russland müsse nachträglich völkerrechtlich geregelt werden. Dafür war Platzeck auch innerparteilich heftig kritisiert worden.