Der Westen hat sich nach den Worten des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow mit dem umstrittenen Beitritt der Halbinsel Krim zu Russland abgefunden. Diesen Eindruck habe er bei Gesprächen in Berlin vor wenigen Tagen gewonnen, sagte der Friedensnobelpreisträger der russischen Zeitung Komsomolskaja Prawda.

"Ich glaube, ja. Aus meiner Sicht hat er sich damit bereits abgefunden", antwortete Gorbatschow der Zeitung auf die Frage, ob der Westen es hinnehmen würde, dass die Krim nun russisch sei.

Ein Kompromiss zwischen Russland und dem Westen sei trotz der derzeitigen Verstimmung möglich. "Ich glaube, dass sowohl Russland als auch das ganze Europa im Nachteil sein werden, wenn dies nicht klappen sollte", sagte Gorbatschow.

Bei seinem Besuch in Berlin zum 25. Jahrestag des Mauerfalls und seinem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sei es ihm darum gegangen, die Wahrheit zu schützen. "Und die Wahrheit besteht darin, dass man die Krim nicht von Russland losreißen darf", sagte Gorbatschow.

Der Westen wirft Russland vor, die Krim völkerrechtswidrig annektiert zu haben. Die Führung der Ukraine beharrt darauf, dass die Schwarzmeerregion weiter zu ihrem Staatsgebiet gehört. Hingegen verweist die russische Regierung auf eine Selbstbestimmung der dortigen Bevölkerung und ein im März abgehaltenes Referendum auf der Krim. Dieses hatten die Ukraine und der Westen allerdings nicht anerkannt.

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), hat vorgeschlagen, das Krim-Problem völkerrechtlich zwischen Moskau und Kiew zu regeln. Erforderlich seien dafür  höchstwahrscheinlich ein neues Referendum unter Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und finanzielle Leistungen.