Die Internetverbindungen in Nordkorea sind am Montag offenbar völlig zusammengebrochen. Erst nach neuneinhalb Stunden sei die Verbindung wiederhergestellt worden, teilte das auf Internetsicherheit spezialisierte US-Unternehmen Dyn Research mit. Die Gründe für den Ausfall waren zunächst unklar. Ein Mitarbeiter von Dyn Research vermutete eine Netzwerk-Attacke.

Laut dem Vize-Chef des Unternehmens, Earl Zmijewski, begannen die Störungen bereits am Wochenende. Den Experten von Dyn Research zufolge ist Nordkoreas Internet durchaus anfällig für Pannen – doch könnte die Art des Zusammenbruchs auf einen "Angriff von außen" hindeuten.

US-Präsident Barack Obama und die Bundespolizei FBI hatten Nordkorea kürzlich für einen Hackerangriff auf das Unternehmen Sony Pictures verantwortlich gemacht. Obama kündigte eine angemessene Antwort an. Der anonyme Angriff und mysteriöse Anschlagsdrohungen auf US-Kinos hatten Sony bewogen, den für kommenden Donnerstag geplanten Filmstart der Nordkorea-Satire The Interview abzusagen. Dem Konzern entstand dadurch nach Expertenschätzung ein Schaden von einer halben Milliarde Dollar.

Gesamte Telekommunikation läuft über China

Die stellvertretende Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf, forderte Nordkorea auf, Sony zu entschädigen. Die US-Regierung prüft nach Angaben der Sprecherin eine Reihe von Optionen, um gegen die Internet-Attacke auf die Produktionsfirma vorzugehen. Sie äußerte sich aber nicht dazu, ob die USA für den Ausfall des nordkoreanischen Netzes verantwortlich seien.

Im Zentrum der Affäre steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP), die Ende November einen Cyberangriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht hatte. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Parodie The Interview, in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Daraufhin entschieden mehrere Kinoketten, den Film aus dem Programm zu nehmen. Das Regime in Pjöngjang verwahrte es sich gegen Vorwürfe, für den Hackerangriff verantwortlich zu sein.

Nordkorea hat nur begrenzten Zugang zum Internet. Laut Zmijewski läuft die gesamte Telekommunikation über China Netcom, einer Tochter von China Unicom. "Als Nordkoreas einziger Internetprovider wäre es für China Unicom ein Leichtes, den Zugang zu blockieren", sagte Zmijewski. Washington hatte China um Mithilfe gebeten, um die nordkoreanischen Hackeraktivitäten zu stoppen. Beide Länder stehen aber selbst im Streit um Hackerangriffe auf US-Unternehmen.